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US-Verteidigungsminister besucht Irak


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US-Verteidigungsminister besucht Irak

US-Verteidigungsminister Ashton Carter ist überraschend nach Bagdad gereist. In der irakischen Hauptstadt informierte er sich über den Fortschritt des Angriffs auf die IS-Hochburg Mossul im Norden des Landes. Bei Carters Reise ging es auch um die Rolle des türkischen Militärs im Irak.

Die irakische Armee hat den lange geplanten Angriff auf den IS in Mossul am Montag gemeinsam mit freiwilligen irakischen und kurdischen Kämpfern gestartet. Streit gab es in den vergangenen Monaten um eine mögliche Teilnahme des türkischen Militärs an den Kämpfen. Iraks Ministerpräsident Haider Al-Abadi sagte am Samstag, der Kampf um Mossul sei eine irakische Angelegenheit: “Ich weiß, dass die Türken mitmachen wollen. Richten Sie ihnen meinen Dank aus. Aber das ist etwas, was die Iraker erledigen werden.”

Bereits einen Tag zuvor hatte Carter in Ankara mit türkischen Politikern gesprochen. Dabei machte er deutlich, dass er den Einsatz türkischer Truppen im Irak unterstütze und kündigte an, dass er eine mögliche Basis für eine Einigung sehe.

Türkei kündigt “Maßnahmen” an

Doch Al-Abadis Worte lassen daran zweifeln, ebenso wie die jüngsten Äußerungen des türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim. Der warf der irakischen Führung vor, die Türkei mit Kommentaren über deren im Irak stationierte Truppen zu provozieren. Noch am Samstag kündigte er mögliche “Maßnahmen” der Türkei im Irak an.

Die irakische Regierung fordert seit Monaten den Abzug türkischer Truppen aus dem Land. Rund 2.000 türkische Soldaten sind im Nordirak stationiert. Sie bilden dort Kämpfer gegen den sogenannten Islamischen Staat aus. Die türkische Regierung beharrt darauf, dass ihr Militär mit Einverständnis der irakischen Regierung stationiert sei. Außerdem sehen die Türken sich im Recht, bei Konflikten in der Nachbarschaft einzugreifen.

Dabei geht es der türkischen Regierung darum, den kurdischen Einfluss im Nordirak und damit auch an der Grenze zur Türkei zu beschränken. Kurdische Kämpfer sind an dem Vormarsch auf Mossul beteiligt. Die Versicherungen der USA und der irakischen Regierung, militante Kurden würden nicht an den Kämpfen teilnehmen, seien nicht zufriedenstellend, sagte Yildirim.

Mossul ist zudem die größte sunnitisch dominierte Stadt im Irak. Hinter dem Konflikt steckt auch die Sorge der Türkei, dass schiitische Kräfte bei einem Sieg der irakischen Armee in Mossul an Einfluss gewinnen könnten. Damit würde auch der Einfluss des Iran in der Region stärker werden. Schiitische Milizen im Irak werden vom Iran unterstützt. Nach offiziellen Angaben beteiligt sich der Iran aber nicht direkt an dem Angriff auf Mossul.

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