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Wenn der Roboter Erdbeben-Opfer aus den Trümmern zieht


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Wenn der Roboter Erdbeben-Opfer aus den Trümmern zieht

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Er hat die Gestalt eines Menschen, er läuft wie ein Mensch – und in Zukunft wird er vielleicht bei gefährlichen Katastropheneinsätzen den Menschen ersetzen. “Walk-Man” heißt das Projekt, das gerade am Italienischen Institut für Technologie in Genua entwickelt wird.

Noch braucht er die Instruktionen des Menschen. Doch eines Tages soll der ‘Walk-Man’ eigenständig sein Umfeld und Gefahren so einschätzen können, dass er seine Aufgabe allein richtig bewältigen kann. Das Projektteam arbeitet derzeit an der Programmierung, dank der er über unwegiges Gelände laufen kann, ohne zu stolpern.

Nikolaos Tsagarakis, Chef des Walk-Man-Projekts, erklärt: “Der Roboter ist menschenähnlich, wir haben also Gelenke und Bewegungen, die wirklich denen des menschlichen Körpers entsprechen. Sie sehen hier eine Hand, mit fünf Fingern, da ist der Daumen… Und der Roboter ist so angelegt, dass er sehr kraftvolle Handgriffe machen kann.” Der Mensch als Vorbild für den Roboter: “Ein Roboter mit ähnlicher Gestalt kann besser ähnliche Aufgaben ausführen als jede andere Konfiguration.”

Der ‘Walk-Man’ hat ein Stereo-Sicht-System und einen rotierenden 3-D-Laser-Scanner. Er hat schon einen Autofahr-Test bestanden. Technisch ist die große Herausforderung, die Fortbewegung, das Gleichgewicht und die Eigendynamik des immerhin 1,80 Meter großen Körpers unter Kontrolle zu halten. “Er hat Positionsmelder in seinen Gelenken, damit man immer weiß, an welcher Stelle sich jedes Gelenk befindet. Er braucht auch Kraft-/Drehmoment-Sensoren, um zu messen, welche Kraft gerade von außen auf ihn einwirkt”, erläutert Ioannis Sakoglou, Ingenieur am Institut für Technologie. “Kräftemäßig entspricht er in etwa einem mittelgroßen Auto. Jedes seiner Gelenke, das Knie zum Beispiel oder das Hüftgelenk, die sehr große Leistung erbringen müssen, hat so viel Kraft wie der Motor eines 50-Kubikzentimeter-Motorrollers.”

Der Roboter, der im Rahmen eines europäischen Forschungsprojekts entwickelt wird, soll bei komplizierteren Operationen von einem Menschen ferngesteuert werden können.
Menschenartige Roboter auf Beinen sind in bestimmten Umgebungen gegenüber Modellen auf Rädern von Vorteil. “Viele Grundprinzipien der Biologie inspirieren uns beim Design eines Roboters”, erläutert Ingenieur Jörn Malzahn. “Ein Aspekt ist das Energieeinsparen, insbesondere durch den Einsatz von Mechanismen, die eine Rückwärtsbewegung ermöglichen. So kann man die Schwungphasen in unserer natürlichen Bewegung nutzen. In diesen Phasen brauchen wir keine Energie zuzuführen, um den Roboter zu bewegen, die Schwerkraft hilft uns da schon. Wir versuchen, diese Inspiration aus der Natur in unser Design aufzunehmen, um energieeffiziente Roboter zu konstruieren, die dann länger als die heutigen Roboter arbeiten können.”

Seinen nächsten großen Test soll der ‘Walk-Man’ voraussichtlich Ende nächsten Jahres bestehen, unter den Augen der italienischen Zivilschutzbehörde. Dann wird er in ein brennendes Gebäude hineingeschickt, um dort nach Menschen zu suchen, die gerettet werden müssen.

Produced by Claudio Rosmino

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