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US-Wahlkampf: Freihandelsskepsis allüberall


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US-Wahlkampf: Freihandelsskepsis allüberall

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Mit Spannung blickt die deutsche Wirtschaft auf die US-Präsidentschaftswahl am 8. November. Für Daimler zum Beispiel ist der US-Markt der zweitwichtigste Markt, nach China (Exporte im August 28.404 Pkws bzw 41.072).

Sollte der republikanische Kandidat Donald Trump das Rennen machen, fürchten viele Unternehmen eine stärkere Abschottung der USA vom internationalen Handel und damit sinkende Exporte in die größte Volkswirtschaft der Welt. Den nordamerikanischen Handelspakt NAFTA hat er als „schlechtesten Deal aller Zeiten“ gebrandmarkt, China droht er mit Handelskrieg.

Hillary Clinton von den Demokraten unterstützte als Außenministerin große Freihandelsabkommen. Aber auch sie äußert jetzt Bedenken, gegen das North American Free Trade Agreement (Nafta), ausgerechnet ausgehandelt von Ehemann Bill Clinton im Präsidentenamt oder gegen die Trans-Pacific Partnership TPP, ein Handelsabkommen zwischen den USA und 11 weiteren Nationen.

“Es stimmt schon – in der Vergangenheit wurden Handelabkommen dem amerikanischen Volk zu oft mit rosigen Szenarien “verkauft”, die nachher nicht eingetreten sind”, sagte Clinton vor 500 Gewerkschaftern und Anhängern in Detroit. “Diese Versprechungen klingen jetzt hohl. “Ich werde jede Art Handelsabkommen beenden, das Arbeitsplätze vernichtet oder die Löhne deckelt – einschließlich der Trans-Pacific Partnership (TPP)”, sagte sie. “Ich bin jetzt dagegen, ich werde das nach der Wahl ablehnen, und auch als Präsidentin.”

Ohne TPP – schätzen Fachleute – dürfte allerdings auch TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership), das hochumstrittene Freihandelsabkommen zwischen den USA der Europäischen Union, kaum zustande kommen.

EIN RICHTUNGSWECHSEL?

Ein Richtungswechsel nach mehr als 70 Jahren US-Einsatz für den Freien Welthandel?

Daimler, BMW und auch Volkswagen sind zwar mit Werken in den USA verankert. Der Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach warnt inzwischen aber die deutschen Autokonzerne davor, viele Arbeitsplätze in Billiglohnländer wie Mexiko zu verlegen und gleichzeitig vom Absatz in den USA profitieren zu wollen. “Die Gefahr ist groß, dass das politischen Unmut erzeugt”.

Viele Wirtschaftsexperten sind in einem Punkt einig: Ein
Wahlsieg Trumps würde Risiken für die Entwicklung der Finanzmärkte bergen. «Man ist gut beraten, Clinton als Favoritin zu sehen und sich gleichzeitig auf einen Wahlsieg von Trump vorzubereiten», rät David Kohl, Chefvolkswirt für Deutschland beim Bankhaus Julius Bär, Frankfurt.

„Es liegt die Vermutung nahe, dass nach einem Wahlsieg Trumps eine Verkaufswelle die Märkte überrollt“, meint James Bateman vom Investmenthaus Fidelity International, London. „Langfristig würde eine protektionistische Wirtschaftspolitik den USA schaden und die globale Ordnung auf den Kopf stellen.“

Politischer Populismus sei weltweit ein ernstes Wachstumshemmnis, warnt auch der Internationale Währungsfonds (IWF). Stimmt genau, meint der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, (BDI), Ulrich Grillo: “Abschottung gegen globalen Handel, gegen freien Handel, all das ist eine Bedrohung für den Welthandel, aber auch für die deutsche Wirtschaft.”

su mit dpa

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