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"La Bohème"-Jubiläumsausgabe!


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"La Bohème"-Jubiläumsausgabe!

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Vor 120 Jahren wurde La Bohème von Giacomo Puccini im Teatro Regio in Turin uraufgeführt. Zum Jubiläum zeigte das Haus eine neue, zeitgenössische Produktion. Dirigiert vom Musikdirektor Gianandrea Noseda.

Die tragische Liebesgeschichte zwischen Mimi und Rodolfo im bettelarmen Künstlermilieu ist einer der Klassiker und ein Meisterwerk im Opernrepertoir.

“La Bohème erzählt von den Hoffnungen der Jugend, von ihrem Wunsch, etwas zu ändern, gegen den Strom zu schwimmen. Doch mit Mimis unerwartetem Tod ist es so, als hätten all diese Gefühle ein jähes Ende. Ich bin mir nicht sicher, ob diese jungen Leute nach Mimis Tod die Unbeschwertheit wiedererlangen werden, die sie zuvor hatten. Da ist eine große Desillusionierung und nicht viel Hoffnung in La Bohème”, meint Noseda. “La Bohème hat eine solche Raffinesse in jedem einzelnen Detail ihrer Komposition, dass man sie für ein Werk aus dem Zwanzigsten Jahrhundert halten könnte. Bei Mahler findet man solche Präzision im Detail. Und Puccini, ein echter Sohn seiner Zeit, macht das mit einer unglaublichen Konsequenz. Es gibt bestimmte Passagen in La Bohème mit derart vielen Angaben zur Dynamik, zum Tempo, die aus dem Werk eine besonders schwierige Oper machen, die schon ins nächste Jahrhundert weist.”

“Etwas in unserem Beruf als Dirigenten bringt uns an die Grenzen des Verständnisses: Wir wollen wirklich das Wahre in einem Werk, an dem wir arbeiten, erkennen – und haben aber die Frustration, zu wissen, dass wir das niemals erreichen werden. Es stimmt auch, dass eine bestimmte Art, wie du ein Stück interpretierst, in diesem Moment deines Lebens die Richtige ist. Aber zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr, weil wir selbst uns verändert haben. Dirigieren stimuliert die Fähigkeit, zu verstehen und etwas zu vertiefen, aber immer in dem Wissen, dass die Komponisten so viel größer sind als wir.”

Die Jubiläums-Aufführung von “La Bohème” können Sie sich kostenlos sechs Monate lang ab Oktober auf www.theoperaplatform.eu ansehen.

Mehr über Noseda in der Washington Post

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