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Del Pero: Deutschland muss zwischen USA und Russland vermitteln


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Del Pero: Deutschland muss zwischen USA und Russland vermitteln

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Wie wird sich der Machtwechsel im Weißen Haus auf das Verhältnis zwischen den USA und Europa auswirken? Hat TTIP noch eine Chance? Darüber sprachen wir mit Mario Del Pero, Historiker, Politikforscher und Experte für transatlantische Beziehungen.

Sophie Claudet, Insiders:
“Donald Trump hat gesagt, die NATO sei überholt und nicht ausgerüstet, um gegen den Terrorismus anzukämpfen. Was sagen Sie dazu?”

“Mario Del Pero”:http://www.sciencespo.fr/departement-histoire/sites/sciencespo.fr.departement-histoire/files/DelPeroNewCurriculum5%202013_OK.pdf
“Trump hat ausgesprochen, was viele in Wirklichkeit denken. Die NATO ist in bestimmter Weise obsolet. Sie war es seit 1991, sie sucht seitdem nach einer Mission und einer Daseinsberechtigung. Wenn wir uns all die strategischen Konzepte ansehen, die die NATO über die Jahre entwickelte, dann sind diese meistens reich an Plattitüden und arm an Substanz. Man könnte sagen, dass die Krise in der Ukraine die NATO gewissermaßen wieder neu belebt hat, indem sie die ursprüngliche Mission bekräftigte, namentlich die politische und diplomatische Unterstützung seitens der USA, noch vor der militärischen, für europäische Länder und viele schwache europäische Demokratien. Gleichzeitig hat die Ukraine-Krise aber wieder einmal Spannungen innerhalb Europas und innerhalb der NATO geschürt. Das ist die wichtigste Variable, mit der wir heute umgehen müssen.”

Sophie Claudet:
“Zu Hillary Clinton: Sie sagt, dass sie immer noch an die NATO glaube. Meinen Sie, dass sie aber ihren Bündnispartnern mehr abverlangen wird?”

Mario Del Pero:
“Hier ist der wichtigste Punkt Russland. Im Wahlkampf haben Clinton und viele ihrer Berater harte anti-russische Standpunkte vertreten. Diese Betonung auf Russland bringt Europa wieder ins Zentrum der geopolitischen Interessen Amerikas, drückt Europa aber eine neue Rolle auf, insbesondere einigen europäischen Mächten. Ich denke da vorrangig an Deutschland, das irgendwie zwischen Russland und den USA vermitteln muss und vielleicht sogar übermäßigen Druck seitens der Amerikaner in Grenzen halten muss.”

Sophie Claudet:
“Reden wir jetzt über den Handel und speziell über TTIP. Obama hat keine Zeit mehr, das Abkommen voranzubringen, Trump würde die Sache fallen lassen, Clinton macht einen Rückzieher bei ihrer Unterstützung. Einige europäische Länder sind völlig dagegen. Ist das TTIP schon hinfällig?”

Mario Del Pero:
TTIP ist in einem komatösen Zustand, das steht fest, auch wenn wir es noch nicht für tot erklären können. Hillary Clinton hat jetzt einen freihandelsfeindlichen Standpunkt in ihrem Wahlkampf eingenommen, aber hauptsächlich aus politischen und wahltaktischen Erwägungen heraus. Man kann sich also gut vorstellen, dass sie, wenn sie erst einmal im Weißen Haus ist, zu ihren freihandelsfreundlicheren Positionen von früher zurückkehrt. Angesichts des aktuellen politischen Klimas in den USA und Europa gehe ich davon aus, dass sie dies still und leise und ganz allmählich tun wird.”

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Transatlantisches Bündnis unter Trump auf der Kippe?