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Megakraftwerk in der Wüste: Marokko schaltet auf Sonnenenergie um

Wüstenstrom statt Filmkulisse: Marokko baut in Ouarzazate das größte Solarkraftwerk der Welt auf.

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Megakraftwerk in der Wüste: Marokko schaltet auf Sonnenenergie um

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Ouarzazate in Marokko war als Drehort für Filme wie “Lawrence von Arabien” und “Der Medicus” bekannt. Jetzt setzt die Stadt in der Wüste auf Sonnenenergie. Hier befindet sich das Solarkraftwerk Noor, das das größte der Welt werden soll und Marokko mit sauberem Strom versorgt.

Noor 1 ist das erste Kraftwerk der Anlage und seit Februar in Betrieb. “Noor” heißt auf deutsch “Licht”. Ziel ist, Marokko, das zu gut 95 Prozent von Energieimporten abhängig ist, auf eigene Beine zu stellen. Der Klimaschutz ist ein willkommener weiterer Effekt.

Eine halbe Million Spiegel wurden hier verbaut. Das Kraftwerk hat eine Kapazität von bis zu 160 Megawatt. Projektmanager Youssef Stitou erklärt, wie es funktioniert: “Die Spiegel reflektieren die Sonnenstrahlen in eine Röhre und erwärmen dort ein synthetisches Öl. Dieses wird in einen Kraftwerksblock geleitet und erhitzt dort Wasser zu Dampf, der eine Turbine antreibt und so Strom produziert. Der Strom wird ins nationale Netz eingespeist. Das Kraftwerk hat außerdem einen Wärmespeicher mit einer Kapazität von drei Stunden.”

Ohne technische und finanzielle Hilfe aus dem Ausland hätte das Königreich das gigantische Projekt kaum stemmen können. Einer der maßgeblichen Geldgeber ist neben Weltbank und EU die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau. Aber: “Über dreißig Prozent des Projekts wurden von örtlichen Firmen realisiert. Wir sind alle sehr stolz, dass wir es fristgerecht und nach internationalen Standards umsetzen konnten”, frohlockt Youssef Stitou.

Noor 2 und 3 sind noch im Bau und sollen bis spätestens 2018 fertig sein. Sie sollen zusammen eine Kapazität von 200 und 150 Megawatt erreichen und wie Noor 1 dank Flüssigsalzspeichern auch mehrere Stunden nach Sonnenuntergang noch Strom produzieren können. Während Noor 1 und 2 Parabolrinnenspiegel nutzen, wird Noor 3 ein Solarturm-Kraftwerk. Spiegel reflektieren hier die Sonnenstrahlen auf ein Empfängermodul an der Spitze des Turms in 243 Metern Höhe.

Als viertes Kraftwerk ist eine Photovoltaik-Anlage geplant, insgesamt soll Noor dann einmal 580 Megawatt Kapazität erreichen. Die Anlage hat der Region schon jetzt wirtschaftlichen Auftrieb gegeben. Azzedine Akajjaj ist 35, er arbeitet seit einem Jahr als Fahrer für Noor 2: “Ich fühle mich wie all die glücklichen jungen Leute, die einen Job bekommen haben: Ich fühle mich stabiler, habe einen festen Lohn jeden Monat. Vorher waren wir von der Filmindustrie und dem Tourismus abhängig, das war phasenweise. Jetzt haben die Leute in der Stadt das Bestreben, für dieses Projekt hier zu arbeiten und davon zu profitieren.”

Mit Noor und ähnlichen Projekten will Marokko bis 2020 42 Prozent seines Stroms mit erneuerbaren Energien produzieren, Vorreiter in Sachen Energiewende werden – und langfristig auch noch Strom exportieren.