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Walfang: Japan soll stärker kontrolliert werden


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Walfang: Japan soll stärker kontrolliert werden

Japans umstrittener Walfang soll künftig strenger überwacht werden. Das hat die Internationale Walfangkommission (IWC) auf ihrer Vollversammlung in Slowenien entschieden. Bislang hatte Japan die Tötung der Meerestiere mit dem Argument verteidigt, sie diene Forschungszwecken. Kommerzieller Walfang ist seit 30 Jahren verboten.

Ob die Waljagd tatsächlich wissenschaftlich und damit erlaubt ist, darf Japan jetzt nicht mehr allein entscheiden. Ein neues Prüfverfahren wurde mit 34 Pro- und 17 Gegenstimmen beschlossen. Eine Arbeitsgruppe soll den Waljägern auf die Finger schauen.

Deren Kontrollmöglichkeiten sind allerdings beschränkt, erklärt Nicolas Entrup von der Non-Profit-Organisation “OceanCare”: “Die Frage ist, ob dieser neue Arbeitskreis wirklich Veränderungen bringen wird. Die Internationale Walfangkommission hat nicht die Möglichkeit, ein Land zu sanktionieren. Deshalb sind wir komplett auf den guten Willen der Länder angewiesen. Und ich bezweifle, dass Japan bereit ist. Trotzdem hat die internationale Gemeinschaft eine klare Ansage gemacht: Wir wollen ein unabhängiges Prüfverfahren.”

Die Resolution ist also nicht bindend – aber ein Schritt in die richtige Richtung. In Japan gehört Walfang zur kulturellen Tradition. Auf der Tagung in Slowenien forderte das Land auch ein Ende des kommerziellen Walfangverbots. Dieses gilt seit 1986. Trotzdem fielen in Japan seither mehr als 16.000 Wale der Harpune zum Opfer – unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Über 24.000 Tiere starben für kommerzielle Zwecke. Mehr als 10.000 durch indigene Völker, die vom Walfangverbot ausgeschlossen sind.

Der internationalen Gerichtshof zwang Japan von 2014 bis 2015, den Walfang auszusetzen. Doch allein von Dezember 2015 bis März dieses Jahres starben in Japan wieder 333 Tiere. Die Norweger sind die aktivsten Waljäger. 736 Tiere wurden allein in 2014 getötet, in Island waren es 161.

Und das trotz Moratorium. Island erkannte 2004 bei seinem Wiedereintritt in die Internationale Walfangkommission das Verbot nicht an, berief sich auf sein “besonderes Recht für Neumitglieder”. Norwegen hatte sich bis 1993 an das Moratorium gehalten, zog dann seine Zustimmung kurzerhand zurück.

So findet jedes der Walfangländer sein Schlupfloch. Das der Japaner könnte durch das neu beschlossene Prüfverfahren immerhin etwas kleiner werden. Höchste Zeit, sagen Umweltverbände. Obwohl erste Maßnahmen zum Schutz der Meeresgiganten Wirkung zeigen, sind viele nach wie vor vom Aussterben bedroht.

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