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Italien: Stärkstes Erdbeben seit Jahrzehnten löscht ganze Orte aus


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Italien: Stärkstes Erdbeben seit Jahrzehnten löscht ganze Orte aus

Am Sonntagmorgen hat erneut ein starkes Erdbeben Mittelitalien erschüttert. Nach Angaben des Helmholtz-Zentrums in Potsdam hat das Beben eine Stärke von 6,5 und ist damit stärker als die vorhergehenden Beben in diesem Jahr.

Das Epizentrum liegt in Umbrien, südöstlich der Stadt Perugia, aber auch in anderen Regionen war es deutlich zu spüren, es gab bereits mehrere schwächere Nachbeben. In den betroffenen Gegenden liefen die Menschen in Panik auf die Straße. Telefonleitungen wurden unterbrochen oder sind überlastet. Über mögliche Todesopfer ist bisher nichts bekannt, der Chef des Zivilschutzes sprach jedoch von mehreren Verletzten. Ein Behördensprecher sagte im italienischen Fernsehsender RAI, bis zu 100.000 Menschen könnten betroffen und auf der Suche nach einer Unterkunft sein.

Die Ortschaften Arquata del Tronto und Castelluccio di Norcia sind Berichten italienischer Medien zufolge komplett ausgelöscht worden. In Norcia, einer Kleinstadt aus dem Mittelalter, sind zwei Kirchen eingestürzt, eine davon stammt aus dem 14. Jahrhundert.

Noch in Rom war das Beben zu spüren. Dort wurden sicherheitshalber öffentliche Gebäude geschlossen, auch der U-Bahnbetrieb wurde eingestellt. Schwere Erdbeben kommen in Italien immer wieder vor. 1980 gab es ein noch stärkeres Beben in Süditalien, fast 3.000 Menschen kamen ums Leben. Damals gab es einen Skandal, nachdem die Mafia Spendengelder veruntreut hatte, die den Erdbebenopfern zugute kommen sollten.

Erdbeben in Italien

Dass Italien erdbebengefährdetes Gebiet ist, ist spätestens seit dem starken Beben von Amatrice im August 2016 wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Was steckt hinter dem gehäuften Auftreten der Erdbeben?

Italien ist ein geologisch sehr komplexes Gebiet. Mehrere Erdplatten treffen hier aufeinander: Hauptsächlich sind das die Afrikanische Platte im Süden sowie die Eurasische Platte im Norden. Ganz so einfach ist es aber nicht, denn auch andere, kleinere Einheiten wie die Adriatische Platte im Osten spielen eine Rolle. Da sich die Erdplatten bewegen, gibt es immer wieder Spannungen. Platten schieben sich übereinander und formen Gebirge (die Alpen), sie schmelzen auf und bilden Vulkane (z.B. Stromboli) oder die Erdkruste verhakt sich, etwa so, wie wenn ein Auto an einer Leitplanke entlangschrammt. Manchmal wird die Erdkruste bei diesen Vorgängen auch auseinandergezogen, was dazu führt, dass Teile abrutschen. All diese Prozesse finden in Italien statt und sie können Erdbeben auslösen.

Besonders betroffen ist der Gebirgszug der Apenninen in Mittelitalien. Immer wieder kam es dort in der Vergangenheit zu Erdbeben. Dass diese in den vergangenen Monaten gehäuft auftreten, ist vermutlich kein Zufall. Starke Erdbeben ziehen immer wieder spürbare Nachbeben nach sich. Wissenschaftler vermuten, dass die Beben dieses Jahres miteinander in Verbindung stehen. Für das aktuelle Beben ist es aber noch zu früh, um verlässliche Rückschlüsse zu ziehen.

Erdbebengefährdete Regionen gibt es übrigens auch in Deutschland. So ist der Oberrheingraben immer noch ein geologisch aktives Gebiet. Unter anderem wegen der Erdbebengefahr wurde das Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich bei Koblenz schon nach kurzem Betrieb abgeschaltet.

Was ist aus der Richterskala geworden?
Die "nach oben offene Richterskala" sagt vielen noch etwas aus dem Radio. Bei Erdbebenmeldungen war sie früher allgegenwärtig. Heute liest man nur noch manchmal davon, und oft ist das eine journalistische Nachlässigkeit. Die Richterskala wird im Allgemeinen nicht mehr verwendet, sie ist der sogenannten Momenten-Magnituden-Skala gewichen. Wenn wir also heute einen Wert von 6,5 lesen, handelt es sich im Normalfall um einen Wert, der in der Einheit Mw angegeben ist.

pha mit GFZ/FR

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