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IS-Miliz: Sexuelle Versklavung als Kriegswaffe

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IS-Miliz: Sexuelle Versklavung als Kriegswaffe

IS-Miliz: Sexuelle Versklavung als Kriegswaffe
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Während irakische Soldaten auf Mossul vorrücken, gelingt mehr und mehr Frauen die Flucht aus der Gewalt der IS-Miliz. Viele sind schwer traumatisiert: Sie wurden monatelang vergewaltigt und misshandelt.

Drei Mal habe ich versucht, mich umzubringen, damit sie mich nicht mehr anfassen können.

Jesidin Opfer der IS-Miliz

Im Aufnahmezentrum von Dohuk finden sie medizinische und psychologische Hilfe. Mehr als 800 Frauen und Mädchen wurden in diesem Jahr aufgenommen. Schicksale, um die sich die Gynäkologin Dr. Naam Nawzat kümmert. Sie erklärt,
“die Arbeit ist hart und überschreitet meine Fähigkeiten. Seit zwei Jahren kümmere ich mich um dieseFälle. Jede Frau ist seelisch am Ende. Ich habe bisher keine getroffen, der es besser erging.
Ein Fall ist schlimmer als der andere. Sie sehen Neunjährige, die vergewaltigt und brutal undmenschenunwürdig behandelt wurden.”

Die meisten Frauen gehören der kurdischen Minderheit der Jesiden an. Sie stammen aus der nordirakischen Region Sindschar, die die IS-Dschihadisten 2014 unter ihre Kontrolle brachten.
Zehntausende Jesiden flohen damals in die Berge, wo die IS-Dschihadisten sie in der Sommerhitze einkesselten. Die USA, Irak, Großbritannien, Frankreich und Australien flogen Hilfstransporte mit Wasser, doch viele Menschen starben.

Die islamistische Miliz teilte die Jesiden in drei Gruppen ein: junge Männer, die in ihren Reihen kämpfen sollten, ältere Männer, die mit dem Tod rechnen mussten, sollten sie nicht zum Islam übertreten sowie Frauen und Mädchen, die misshandelt und vergewaltigt wurden.

Eine Jesidin, die anonym bleiben will, erinnert sich,
“es war einfach zuviel. Wir lebten wie Sklaven und ich wurde an fünf verschiedene Männer verkauft. Ichsuchte nach einem Ausweg: Drei Mal habe ich versucht, mich umzubringen, damit sie mich nicht mehranfassen können.”

Seit sie über ein Jahr lang als Sexsklavin gehalten wurde, ist die Jesidin schwer traumatisiert. “Ich gehe zum Arzt, weil ich diese Wut in mir spüre,” sagt sie. “Ich bekomme nichts auf die Reihe. Noch nicht mal die Erziehung meiner kleinen Tochter.”

Das Mädchen und Frauen-Zentrum in Dohuk wird von der Regionalregierung und den Vereinten Nationen unterstützt.
Der UNFPA-Beauftragte für den Irak Ramanathan Balakrishnan fordert,
“jeder ist darüber informiert, welche Gewalt IS-Dschihadisten Frauen und Mädchen antun.
Aber es geht nicht nur um die Nachricht. Vor uns liegt ein Berg an Arbeit, damit jede einzelneÜberlebende zurück ins richtige Leben findet.”