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"While I was waiting": Syrien im Wachkoma


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"While I was waiting": Syrien im Wachkoma

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Eine herzzerreißende Geschichte aus Damaskus: Ein Mann im Koma und seine Freunde und Familie, die warten. Eine Metapher für das gelähmte Syrien, zwischen Hoffnung und Verzweiflung.

Ein junger Mann liegt im Koma. Er wurde an einem Checkpoint in Damaskus zusammengeschlagen. Es folgt ein Reigen an Freunden und Angehörigen, die ihn besuchen. Sie schwanken zwischen Hoffnung und Verzweiflung und so wird dieses kleine Drama zum Sinnbild für das vom Krieg zerissene Syrien.

Mohammad Al Attar hat das Stück “While I was waiting” geschrieben und Omar Abusaada hat es inszeniert. Zuletzt wurde es im Onassis Kulturzentrum in Athen aufgeführt. Autor Al Attar erklärt: “Für mich ist diese Geschichte eine großartige Metapher, um über das heutige Syrien und die schwierigen Zustände zu sprechen. Koma ist eine Grauzone zwischen Leben und Tod, zwischen einfach aufgeben oder weiter kämpfen, um zu überleben. Und das ist in gewisser Weise auch die Geschichte vom heutigen Syrien.”

Das Stück wurde im Mai zum ersten Mal beim Kunsten Festival in Brüssel aufgeführt. Seitdem tingelt es durch Europa, es war u.a. auf dem französischen Festival in Avignon.

Der Regisseur Omar Abusaada lebt immer noch in Damaskus, aber er arbeitet im Ausland: “Ich kann nicht wirklich in Damaskus arbeiten, da meine Arbeit sehr politisch ist. Ich kann mich nicht frei ausdrücken. Sogar das tägliche Leben ist hart. Strom, Heizung und Transport fallen immer wieder aus.”

Mit ihrer multimedialen Inszenierung üben die beiden syrischen Theaterschaffenden Kritik am Assad-Regime. Das Stück ist aber auch eine Hommage an das versehrte Damaskus und an alle Verschwundenen.

Für Mohammad Al Attar ist Theater eine Form des Widerstands: “Ich schreibe immer noch Theaterstücke, weil wir mit Theater Widerstand leisten können. Es geht auch darum der Verzweiflung und der Depression zu widerstehen. Denn heute ist es sehr schwer ein Syrer zu sein und daran zu glauben, dass dein Land eine Zukunft hat. Es ist schwierig Depression und Verzweiflung zu überwinden, wenn man sich die Realität anschaut. Insbesondere da anscheinend kein Ende dieser Qual in Sicht ist.”

“Ob geflohen oder geblieben, wir sind alle gleich verloren” dieser Satz spiegelt die Ohnmacht der Syrer wieder. Am 18. und 19. November wird es in Marseille aufgeführt.

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