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US-Präsidentschaftswahl: "Ground Game" könnte Clinton Sieg bringen


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US-Präsidentschaftswahl: "Ground Game" könnte Clinton Sieg bringen

In den letzten Tagen vor der Präsidentschaftswahl in den USA hält uns unser Korrespondent Stefan Grobe mit den neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden. Er verrät, warum Hillary Clinton besser dasteht, als man derzeit denken könnte.

Mark Davis: Für die Kandidaten wird im Rennen um das Weiße Haus die Zeit knapp. Unser Kollege Stefan Grobe ist uns mit den neuesten Informationen aus Washington zugeschaltet. Stefan, was ist der aktuelle Stand?

Stefan Grobe: Nun, Mark, in der Politik kann in einer Woche viel passieren. In der vergangenen Woche haben wir noch darüber geredet, wie gut Hillary Clinton im Rennen liegt und dass sie möglicherweise auch in den Südstaaten Texas und Georgia gewinnen könnte. Jetzt sieht es anders aus, wenn auch nicht komplett, guckt man auf die tatsächlichen Stimmen und Zahlen, nicht auf die Umfragen. In vielen Staaten laufen die Frühwahlen schon seit einiger Zeit und wir wissen, wie viele demokratische und wie viele republikanische Wähler ihre Stimmen bereits abgegeben haben. Zurzeit sieht es in Colorado und North Carolina sehr gut aus für Clinton, in Florida sind die Zahlen für sie solide. Wenn sie diese drei Staaten holt, ist das Rennen gelaufen. Auf der anderen Seite schlachtet Trump den FBI-Kracher voll aus und das Rennen ist definitiv enger geworden.

Davis: Worauf konzentrieren sich die Kandidaten in der letzten Woche vor den Wahlen?

Grobe: Der Fokus hat sich auf die Staaten verschoben, die eigentlich verlässlich demokratisch wählen, vor allem auf die sogenannte blaue Mauer im Norden, also Pennsylvania, Wisconsin und Michigan. Donald Trump hat es auf diese Staaten abgesehen, um siegen zu können. Er versucht, die Fabrikarbeiter dort in letzter Minute zu überzeugen, als jemand, der deren Frust auffängt. Das kann klappen, muss aber nicht. Das reiche Clinton-Lager folgt Trump in diese Staaten und lanciert dort Werbung, aber auch in Colorado und Virginia. Das könnte bedeuten, dass Clinton nervös ist und dass sie eher verteidigen will, was eigentlich ihr Gebiet ist, als in den traditionell republikanischen Staaten Texas und Georgia zu punkten.

Davis: Sie haben zuvor angesprochen, dass Trump beim sogenannten ground game schlechter da steht. Wie kann Clinton das nutzen?

Grobe: Im Ground game gut zu sein bedeutet, dass man ausreichend Wahlhelfer hat, um die Wähler auszumachen, um die es sich lohnt zu werben. Das heißt, man hat sehr gut bestückte Datenbanken mit Informationen zu Einkommen, Stellung, Konsumverhalten oder anderen Eigenschaften der Wähler. Da geht es nicht darum, willkürlich an irgendwelche Türen zu klopfen, sondern an genau die Wähler heranzukommen, die eh schon auf deiner Seite sind, die auch registriert sind, die aber nicht regelmäßig wählen gehen. Das Clinton-Lager geht in entscheidenden Swing States wie Florida so vor. Hunderte spanisch sprechende Wahlkämpfer sollen dort dafür sorgen, dass zögerliche demokratische Wähler an die Urnen gehen. Das könnte Clinton in Florida und anderswo den Sieg bringen.

Davis: Danke, Stefan. Wir sprechen uns sehr bald wieder.

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