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Salzburger Nockerln und Zabaglione: Geheimrezept gegen Wahlkampf-Übel


Redaktion Brüssel

Salzburger Nockerln und Zabaglione: Geheimrezept gegen Wahlkampf-Übel

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Nur noch wenige Stunden, bis die Wahllokale in den USA öffnen. Dann müssen sich auch Tausende wahlberechtigte Ausländer entscheiden, wem sie ihre Stimme geben.

Angesichts eines Donald Trump, der im Wahlkampf gegen Migranten hetzt, mag vielen die Entscheidung leicht fallen.

Das ist der Fall von Albert Marquès, er ist Musiker und Katalane und kam vor fünf Jahren ins Land. Er bedauert, der Wahlkampf habe Rassismus in den USA salonfähig gemacht und meint, “diese Wahlen haben es Rassisten ermöglicht, offen rassistisch zu sein.”

Marquès erinnert sich an einen unangenehmen Vorfall:
“Vor zwei Monaten telefonierte ich mit meinem Bruder und sprach mit ihm auf Katalanisch. Meine Frau und mein kleiner Sohn waren dabei, er war eine Woche alt. Ein weißes Paar, zwischen 60 und 70 Jahre alt, sagte zu mir: “Können Sie vielleicht etwas leiser sprechen?” Ich antwortete: “Warum?” Sie sagten dann, ich sei hier nur zu Gast und fragten, warum ich nicht wieder gehe.”

Wegen seiner radikalen Äußerungen ist Trump für viele Ausländer unwählbar. Deshalb sehen einige in Hillary Clinton das kleinere Übel, doch andere entscheiden sich ganz bewusst für sie.

Wie Olga Filippowa, eine Künstlerin, die vor sieben Jahren aus Russland nach New York zog. Zu Hause sah sie für sich nur wenige berufliche Möglichkeiten. “Wenn SIE Präsidentin wird, kann ich bestimmt mein eigenes Unternehmen aufmachen,” sagt Filippowa. “Das ist wichtig für mich und deshalb freue ich mich so, dass Hillary wohl Präsidentin wird. Nicht nur, weil sie eine Frau ist.
Das spielt aber auch eine Rolle, denn wenn ich mit meinen russischen Freunden spreche, kann ich sagen “schaut her, wir haben eine Präsidentin!”. Für meine Freunde wäre das ein Ding der Unmöglichkeit.”

Ein Trump als Präsident der Vereinigten Staaten wecke in ihr böse Erinnerungen: “Er personifiziert etwas, wovor wir in Russland alle wegrannten: Arroganz, Diskriminierung, Rassismus, Sexismus und Homophobie.”

Alberto Mezzoli ist Italiener und besitzt eine Bäckerei. Er sieht schwarz für die Zukunft seines Geschäfts, sollten die Demokraten gewinnen. Der Grund: Clinton hatte im Wahlkampf angekündigt, den Mindestlohn anzuheben – und er hat Angestellte. Da dann wohl auch die Preise steigen, könnten viele Kunden wegbleiben, befürchtet er. Damit das nicht passiert, macht er Werbung in eigener Sache:
“Für mich ist Hillary Clinton wie leckere Salzburger Nockerln, die im Ofen aufgehen, sodass sie sofort aufplatzen. Trump, der Erfahrungen und zahlreiche Abenteuer mit Frauen hatte, ist für mich wie eine Weinschaumcreme aus der Muskateller-Rebe mit einer Kugel Vanille-Eis.”

Salzburger Nockerln und Zabaglione – gute Mittel, die Wahl zu überstehen, nach einem erbitterten Wahlkampf, der vielen auf den Magen schlug. Mezzoli sagt, “diese Wahl ist die schlimmste, die die USA je durchmachen mussten. Jeder hofft, dass sie bald vorbei ist und dass eine Entscheidung fällt. Dann sehen wir schon, was passiert.”

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