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Via Lactea: Katalog der "Stern-Brutstätten" in der Milchstraße


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Via Lactea: Katalog der "Stern-Brutstätten" in der Milchstraße

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Das Projekt VIALACTEA hat in drei Jahren Forschungsarbeit eine große Datenbank über den Teil des Universums zusammengetragen, der unsere Galaxis beherbergt – die Milchstraße. Ziel ist, mehr über die Sternentstehung zu erfahren. Die Ergebnisse wurden jetzt zum Abschluss des Projekts in Rom vorgestellt.

Die Forscher haben eine Art riesige Bibliothek mit Himmelskarten und Katalogen erstellt, eine umfassende Liste der Sternbrutstätten in der Milchstraße. Vialaktea-Mitglied Davide Elia: “Wir haben eine umfassende Analyse der gesamten galaktischen Ebene erstellt. Dies ermöglicht nun weiterführende Forschung, nicht nur für den Einzelfall, sondern auch, um allgemeine Statistiken zu erhalten, um die Geschichte zu rekonstruieren – die Vergangenheit, die Gegenwart und die künftigen Etappen der Sternentstehung in unserer Galaxis.”

Das von der EU finanzierte Projekt war Teil des HI-GAL-Beobachtungsprogramms der galaktischen Ebene der ESA mit den Infrarot-Aufnahmen des Satelliten Herschel. Dieser wurde schon 2013 abgeschaltet – doch die Daten, die er lieferte, werden bis heute ausgewertet. Vialaktea-Forschungsleiter Sergio Molinari: “Ausgangspunkt unseres Projekts war die Notwendigkeit, eine erste, sehr detaillierte Karte der Verteilung kalter Materie in unserer Galaxis zu erstellen. Kalte Materie ist wichtig, denn dort formen sich Sterne wie unsere Sonne. Unsere Heimatgalaxis ist in diesem Sinne ein lebendiges Wesen mit einem fortlaufenden Zyklus von Veränderungen der Materie. Ein unerwartetes Ergebnis dieser Forschung ist die große Menge von Fadenstrukturen, die wir in der kalten Materie unserer Galaxis sehen. Und dies ist so etwas wie ein Skelett der Spiralarme unserer Galaxis.”

Die Vialaktea-Forscher werteten fast 1.000 Stunden aus dem Herschel-Material aus. Ihre Ergebnisse helfen auch dabei, eine grundlegende Theorie über Sternentstehung zu bilden – und frühere Annahmen zu widerlegen. Astrophysiker Anthony Whitworth von der Universität Cardiff: “Wir können aus den Herschel-Beobachtungen nun sehr viel mehr Informationen ziehen, was uns dabei hilft, ein Modell zu belegen. Andere Forscher im Netzwerk erstellen ebenfalls Modelle darüber, wie Sterne sich bilden, und welche Prozesse Sterne hervorbringen.”

Astrophysikerin Annie Zavagno erklärt, wie es weitergeht: “Mit Herschel haben wir einen Teil entschleiert, das heißt, wir wissen jetzt, wo die Regionen liegen, in denen Sterne sich gerade bilden. Und jetzt, wo wir dies wissen, werden wir sie dort beobachten und im Detail untersuchen.”

Wenn man sich den Katalog der Sterne anschaut, die gerade entstehen, dann erscheint die Milchstraße als relativ ruhige, langsam produzierende Galaxis – eine Galaxis in voller Reife.

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