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Afghanistan - Angriff auf deutsches Generalkonsulat


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Afghanistan - Angriff auf deutsches Generalkonsulat

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Auf das deutsche Konsulat im nordafghanischen Masar-i-Scharif ist ein Anschlag verübt worden. Nach der Explosion einer Autobombe gegen 23.00 Uhr kam es nach Angaben der Bundeswehr im Bereich des Konsulats zu einem anhaltenden Schusswechsel mit einer unbekannten Anzahl Angreifer. Mindestens sechs Menschen wurden getötet, rund 120 wurden verletzt. Alle deutschen Mitarbeiter des Konsulats sind laut einer Mitteilung
des Auswärtigen Amtes «sicher und unverletzt». Nach Polizeiangaben kam auch ein Attentäter ums Leben, als er vor dem Konsulat die Bombe zündete.

Die Taliban begründen ihren Anschlag mit einer deutschen Mitverantwortung an einem US-Luftangriff mit 30 zivilen Opfern, darunter viele Frauen und Kinder. Deutschland hätte den US-Streitkräften die notwendigen nachrichtendienstlichen Informationen zukommen lassen, so der Sprecher der Taliban, Sabiullah Mudschahid gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Nach Auskunft der Bundesregierung war die Bundeswehr am fraglichen Luftangriff aber nicht beteiligt. Unklar ist noch, wieviele Talibankämpfer an dem Angriff beteiligt waren. Der Polizeichef der Stadt, Saied Sadat, sagte, am Morgen sei gegen 6.00 Uhr ein zweiter Attentäter entdeckt und festgenommen worden. Er sei unter Schutt begraben gewesen oder habe sich dort versteckt. In der Nacht hatte er von einem Angreifer gesprochen. In der Mitteilung des Auswärtigen Antes war die Rede von mehreren «schwer bewaffneten Angreifern», die «vom Sicherheitspersonal des Generalkonsulats, von afghanischen Sicherheitskräften und Sondereinsatzkräften von «Resolute Support» zurückgeschlagen worden» seien.

Vor 15 Jahren wurde das Taliban-Regime in Afghanistan gestürzt. Einige zentrale Daten:

OKTOBER 2001: Der US-geführte Angriff beginnt. Zuvor hatten die Taliban die Auslieferung des Drahtziehers der Anschläge vom 11. September in den USA, des Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden, verweigert.
NOVEMBER 2001: Die Taliban werden aus der Hauptstadt Kabul und einen Monat später aus ihrer letzten Hochburg Kandahar vertrieben. Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar und Bin Laden entkommen.
JANUAR 2002: Soldaten der internationalen Afghanistantruppe Isaf beginnen unter britischem Kommando ihren Einsatz in Kabul. 2003 übernimmt die Nato das Kommando.
FEBRUAR 2003: Deutschland übernimmt gemeinsam mit den Niederlanden die Führung der Isaf.
OKTOBER 2004: Erste freie Präsidentenwahl: Hamid Karsai gewinnt die absolute Mehrheit, im Dezember wird er vereidigt.
SEPTEMBER 2009: Von der Bundeswehr angeforderte Nato-Flugzeuge bombardieren zwei von Taliban gekaperte Tanklaster. Bilanz: rund 100 Tote, darunter viele Zivilisten.
MAI 2011: US-Spezialkräfte töten Bin Laden im benachbarten Pakistan.
JULI 2011: Die Übergabe der Verantwortung von der Nato an die afghanischen Sicherheitskräfte beginnt.
OKTOBER 2013: Die Bundeswehr zieht aus Kundus ab.
SEPTEMBER 2014: Der frühere Finanzminister Aschraf Ghani wir als neuer Präsident und Nachfolger Karsais vereidigt. *DEZEMBER 2014:* Der Isaf-Einsatz ist offiziell zu Ende. Auftrag der Nato ist es nun, die afghanischen Sicherheitskräfte zu beraten und auszubilden.
AB JANUAR 2015: Die Taliban, die schon seit etwa 2006 wieder auf dem Vormarsch waren, intensivieren ihre Angriffe auf Bezirke und Städte. Auch die Provinzhauptstadt Kundus gerät zeitweise unter die Kontrolle der Taliban. Im HERBST 2016 heißt es in einem Bericht an den US-Kongress, die Regierung beherrsche nur noch 65 Prozent des Landes.

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