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Haile Gebrselassie gegen Sippenhaft beim Doping


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Haile Gebrselassie gegen Sippenhaft beim Doping

Ehre wem Ehre gebührt: Haile Gebrselassie wird vom Internationalen Marathon- und Langstrecken-Verband AIMS in Athen für seine Lebensleistung ausgezeichnet. Erst vor kurzem wurde der legendäre Langstreckenläufer aus Äthiopien zum Präsident des Leichtathletikverbands seiner Heimat gewählt. Wir haben ihn in Athen getroffen und mit ihm über Sport, aber auch über seine politischen Ambitionen gesprochen.

Haile Gebrselassie
Als Präsident des äthiopischen Leichtathletikverbands habe ich viele Prioritäten. Eine der wichtigsten ist es, das Büro des Athletikverbands umzuorganisieren und alles, was für die Athleten wichtig ist, bereitzustellen und vorzubereiten. Mein wichtigstes Ziel ist es, dass wir uns voll auf die Athleten ausrichten.

Ioannis Karagiorgas, euronews
Doping ist seit vielen Jahren ein großes Problem im Sport generell, aber auch in der Leichtathletik. Bei den Olympischen Spielen in Rio wurden dieses Jahr die russischen Leichtathleten ausgeschlossen. War das Ihrer Ansicht nach die richtige Entscheidung?

Haile Gebrselassie
Wenn man solche Entscheidungen trifft, dann muss man sehr vorsichtig sein. Es gibt auch unschuldige Sportler unter den russischen Leichtathleten. Unsere Aufgabe ist es, die unschuldigen Sportler zu finden. Und natürlich stimme ich dem zu, dass diejenigen Sportler, die gedopt haben, bestraft werden sollten, aber nicht die Gesamtheit. Solche Entscheidungen sind schwer für Leichtathleten, die Tag und Nacht hart arbeiten.

euronews
Bei den Spielen in Rio zeigte Ihr Landsmann Feyisa Lilesa eine Geste der Solidarität mit dem in Äthiopien unterdrückten Oromo-Volk, dem er angehört. Auch Sie stammen aus der Region Oromia, was ist Ihr Kommentar zu der Situation?

Haile Gebrselassie
Ich will Ihnen eines sagen: Ich bin Sportler. Alles was ich mache, ist Sport. Sie wissen ja, was Sport bedeutet: Hier spielen Politik, Religion, Ethnien und so weiter keine Rolle. Wenn Sie mich das fragen, wenn ich eines Tages Politiker bin, dann werde ich Ihnen eine anständige Antwort darauf geben. Aber jetzt kann ich das nicht. Ich mache Sport. Und wenn mich jemand nach einem Kommentar fragt, wie soll ich da antworten? Ich bin Äthiopier, ich arbeite für Äthiopien. Aber es spielt keine Rolle, woher jemand kommt. Ich will allen dienen.

euronews
Viele Menschen sagen, Sie könnten eines Tages für die äthiopische Präsidentschaft kandidieren, Sie selbst haben das auch angedeutet. Dann wären Sie in der Politik. Planen Sie das wirklich? Wollen Sie das tun?

Haile Gebrselassie
Im Moment bin ich Präsident des Leichtathletikverbands. Da kann ich nicht darüber reden, für die Präsidentschaft Äthiopiens zu kandidieren. Hier geht es um Sport, dort um Politik. Lassen Sie mich erst einmal das hier beenden. In vier Jahren gibt es dann eine Antwort. Jetzt widme ich mich voll und ganz dem Sport. Ich werde den Leuten dienen. Egal, ob sie der Opposition, der Regierung angehören, das spielt alles keine Rolle.

euronews
Es ist also offen. Sie denken darüber nach, wollen aber abwarten, was passiert?

Haile Gebrselassie
Ja natürlich.

euronews
Wie sieht es mit Mo Farah aus. Wer wird ihn schlagen und wie?

Haile Gebrselassie
Der Junge ist sehr, sehr stark. Seit 4, 5 Jahren gibt es keinen Konkurrenten, weder aus Kenia noch aus Äthiopien. Aber nun ja, wir werden sehen.

euronews
Und die letzte Frage, die alle stellen wollen: Bekele oder Gebrselassie, wer ist der Beste?

Haile Gebrselassie
Was denken Sie? Wir sind beide wirklich gut. Ich nenne also weder Bekele noch mich selbst. Denn wissen Sie, er war zu seiner Zeit gut, ich zu meiner. Und jetzt gibt es Athleten wie Mo Farah. Für uns alle aber ist das Idol Abebe Bikila. Er ist der, den wir alle enorm respektieren.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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