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Steve Bannon: Provokateur vom rechten Rand zieht in den Schaltraum der Macht


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Steve Bannon: Provokateur vom rechten Rand zieht in den Schaltraum der Macht

Mit Steve Bannon holt sich Donald Trump eine schillernde Figur in sein engstes Umfeld im Weißen Haus. Als Chef der radikalkonservativen Website Breitbart News operiert Bannon seit Jahren offen nationalistisch und auch antisemitisch am rechten Rand. Breitbart News kämpft seit Jahren erbittert gegen die Clintons, das Establishment in Washington und ist sich für keine Verschwörungstheorie zu schade.

Bannon kam zu Trump, als der im August sein Team radikal umbaute. Er wurde Chef des gesamten Wahlkampfstabes. Seither lässt er die Arbeit bei Breitbart zwar offiziell ruhen. Während des Wahlkampfs machte Breitbart trotzdem Propaganda für Trump. Die US-Seite Buzzfeed bewertet Breitbart in erster Linie nicht als Journalismus, sondern als Medienaktivismus.

Bannon und Breitbart sind maßgeblich mitverantwortlich für das Erstarken der Tea Party, die die Republikaner vor einigen Jahren weiter nach rechts getrieben hat. Das “Bloomberg Magazine” schrieb, Bannon habe für die Tea Party eine ähnliche Rolle gespielt wie Leni Riefenstahl für Adolf Hitler.

Da Bannon seit Jahren auch gegen das Establishment der Republikaner wettert, interpretieren Beobachter seine Nominierung als “ausgestreckten Mittelfinger” in Richtung Parteispitze. Mit Spannung wird deshalb erwartet, wie sich das Verhältnis zwischen ihm und dem künftigen Stabschef Trumps, Reince Priebus entwickelt. Der bisherige Republikaner-Chef gilt als Repräsentant eben dieser Parteispitze.

Geboren wurde der Katholik Bannon 1953 in Virginia. Er studierte Politikwissenschaft unter anderem an der Georgetown University und diente einige Zeit in der US-Navy. Seine Karriere begann Bannon in der heute von ihm so verhassten Finanzwirtschaft. Er arbeitete für Goldman Sachs und kam danach zu einigem Reichtum. In den neunziger Jahren wechselte er die Branche und wurde Filmproduzent. Unter anderem arbeitete er im von ihm heute nicht minder verhassten Hollywood.

Nach eigener Aussage hat ihn die Amtszeit des demokratischen US-Präsidenten Jimmy Carter politisiert. Er sei ein tiefer Bewunderer Ronald Reagans. Bannon gilt als Überzeugungstäter, sehr intelligent und rücksichtslos. Ihm wird ein diktatorischer Führungsstil nachgesagt. Bisher schätzte Bannon ein betont hemdsärmeliges Auftreten: kurze Cargohose, Hemd über der Hose, Dreitagebart, das etwas länger getragene Haar lässig zurückgewuschelt. Es ist noch nicht klar, ob er dieses Auftreten im West Wing des Weißen Hauses beibehalten wird.

Menschenrechtsgruppen und Bürgerrechtlern haben die Nominierung des 62-jährigen mit Entsetzen aufgenommen.

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