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Massenflucht aus Mossul erwartet


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Massenflucht aus Mossul erwartet

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Seit Beginn der Offensive auf die IS-Hochburg Mossul durch die irakischen Streitkräfte am 17. Oktober, sind laut UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bereits mehr als 47.000 Menschen von den Gefechten vertrieben worden. Das entspreche einem Anstieg um mehr als 50 Prozent innerhalb von zwei Tagen. Die Dschihadisten des sogenannten Islamischen Staates kontrollieren die Großstadt mit mindestens 1,5 Millionen Einwohnern seit 2014.

“Ich habe versucht aus Mossul herauszukommen, wurde dann aber von IS-Milizen festgenommen. Sie haben mich gefoltert und immer wieder gefragt, warum ich das Kalifat verlassen wollte, um in das Land der Ungläubigen zu gehen”, berichtet ein Einwohner.

Die Dschihadisten des IS sollen viele Menschen, die fliehen wollen, erschießen und Sprengsätze in Mossul vergraben haben, um die Menschen an der Flucht zu hindern – auch, um sie als menschliche Schutzschilde zu nutzen.

“Wir haben bisher noch nicht sehr viele Menschen evakuiert. Der Grund für diese eigentlich geringe Anzahl an Flüchtlingen ist die Strategie der irakischen Sicherheitskräfte. Sie raten den Zivilisten zu Hause zu bleiben und nur zu flüchten, wenn es ein absoluter Notfall ist”, erklärt Diya’a Salal vom irakischen Ministerium für Vertreibung und Migration.

Die irakische Regierung hat mit Hilfe der Vereinten Nationen für die Flüchtlinge bereits über 10.000 Hilfszelte in mehr als zehn Lagern zur Verfügung gestellt. Sie geht davon aus, dass durch den Kampf um Mossul zwischen 300- und 400.000 weitere Menschen vertrieben werden.

“Wir leisten verletzten Zivilisten und Soldaten erste Hilfe, aber vorallem kümmern wir uns um die vielen Zivilisten”, so der Erste-Hilfe-Offizier Mutaaz Kerim.

Ob die Zahl der Vertriebenen zunehmen wird oder nicht, hängt vor allem von den Eroberungen der irakischen Streitkräfte ab. Seit Beginn der Offensive haben sie mehr als ein Drittel Mossuls befreit, doch der Westen der Stadt ist weiter in der Hand der Terrormiliz IS.

“Der Westen ist viel bevölkerungsreicher als der Osten. Deswegen werden die Flüchtlingszahlen stark ansteigen, wenn das Militär hier weiter vorstoßen wird”, meint Diya’a Salal.

Hilfsorganisationen hatten vor Beginn des Angriffs gewarnt, sogar bis zu einer Millionen Menschen könnten durch den Kampf um Mossul vertrieben werden. Außerdem fehlt es den Helfern an Geld. Das UN-Flüchtlingshilfswerk hat bisher für die Mossul-Nothilfe von den benötigten rund 200 Millionen US-Dollar (etwa 180 Millionen Euro) erst 48 Prozent bekommen.

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