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[360° VIDEO] Die letzten Palästinensertücher aus Hebron

Der Lärm klingt wie eine Melodie in den Ohren der Familie Hirbawi – es sind die 14 Webstühle in einer Halle außerhalb von Hebron, der Stadt, die man als das industrielle Zentrum des Westjordanlandes a

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[360° VIDEO] Die letzten Palästinensertücher aus Hebron

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Der Lärm klingt wie eine Melodie in den Ohren der Familie Hirbawi – es sind die 14 Webstühle in einer Halle außerhalb von Hebron, der Stadt, die man als das industrielle Zentrum des Westjordanlandes ansehen kann.
Hier werden die letzten in der Westbank hergestellten Palästinensertücher, die Kufiyas oder Keffiahs, gewoben. Vor etwa 20 Jahren wäre auch dieser Betrieb beinah untergegangen – wie all seine Konkurrenten, als sich nach dem Friedensprozess von Oslo der palästinensische Markt der Welt öffnete. Die nur halb so teuren Kufiyas aus China setzten den palästinensischen Webereien zu stark zu, dass nur eine überlebte.



Von Facebook gerettet

Zwischen 2004 und 2010 brach die Produktion auch bei Hirbawi ein – auf etwa 10 Prozent der Jahre zuvor. Nur noch acht der 14 Webstühle waren in Betrieb.
2011 geschah dann das Wunder: eine Gruppe junger Leute, die sich für Palästina engagierten, machte eine Facebook-Seite auf mit dem Titel “Die letzte Kufiyah”. Es war ein Versuch, nicht nur die Produktionsstätte, sondern das politische Symbol das Palästinensertuchs aus den Palästinensergebieten zu retten, das Tuch, das Arafat bei der UNO getragen hatte.

In der internationalen Presse gab es zahlreiche Artikel, die die Qualität der Palästinensertücher aus Hebron hervorhoben: aus Baumwolle hergestellt – nicht aus Polyester wie die Tücher aus China.

Der 1961 gegründete Hersteller Hirbawi hat seine Kollektion vom klassischen Modell “Hata” in weiß und rot und weiß und schwarz auch auf modernere Versionen umgestellt, zu sehen bei der Schau von Balenciaga.

Die besseren Verkaufszahlen der Firma Hirbawi fallen mit den fünf Jahren Krieg in Syrien zusammen, aber die Firmeninhaber versichern, ihre wahre Konkurrenten seien immer die Chinesen gewesen. Denn – wie Judeh Hirbawi erklärt – in Syrien seien hochklassige Kufiyahs hervorragender Qualität hergestellt worden, die auch teurer gewesen seien.

Fertiggestellt werden die palästinensischen Tücher in Handarbeit von Frauen zu Hause. Das ist eines der Grundprinzipien der Herstellung der Firma Hirbawi.

Zur Zeit werden so 200 bis 300 Tücher pro Tag hergestellt, die vor allem in den Palästinensergebieten – auch in Souvenirgeschäften an Touristen – verkauft, aber ebenso nach Europa und in die USA exportiert werden. Und natürlich geht auch der Verkauf übers Internet, der das kleine Unternehmen gerettet hat, weiter.
Ein Palästinensertuch kostet zwischen 30 und 35 Schekel – etwa acht Euro.

Die Familie Hirbawi hofft auf gute Geschäfte und darauf, 70% der altersschwachen Webstühle durch modernere ersetzen zu können. Doch vielleicht gerade wegen der etwas altertümlichen Gerätschaften gibt es hier besondere Traditionen: Abdel Aziz, der seit 47 Jahren bei Hirbawi arbeitet, gibt jeder einzelnen Spule, die er benutzt, ein Küsschen.