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“Donbass Groove” - Alltag im Krieg im Osten der Ukraine


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“Donbass Groove” - Alltag im Krieg im Osten der Ukraine

Leben im Krieg zwischen Hoffnung und Verzweiflung, erstaunliche Geschichten von Menschen im Osten der Ukraine erzählt eine Fotoausstellung in Paris. “Donbass Groove”: ist der Titel des Projekts von euronews-Journalistin Natalia Liubchenkova.

Seit 2014 herrscht in der Ostukraine Krieg – auf Englisch wird dieser auch als “hybrid war” bezeichnet, als “Hybridkrieg” -, die Grenze zwischen Krieg und Frieden verwischt. An den Kämpfen beteiligt waren und sind von Russland unterstützte Milizen, Freiwilligenverbände sowie ukrainische und russische Truppen. 10.000 Menschen wurden nach UN-Angaben getötet – mindestens 2.000 davon Zivilisten. Allen diplomatischen Bemühungen zum Trotz ist die vereinbarte Waffenruhe in der Ostukraine brüchig.

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Natalia Liubchenkova ist vor fast zwei Jahren zum ersten Mal in die von der Ukraine kontrollierten Gebiete des Donbass gereist. Sie hat durch Bombardierunen zerstörte Wohnungen und Krankenhäuser fotografiert, Flüchtlingslager besucht, aber immer wieder hat sie Menschen getroffen, die mitten im Krieg die Kraft hatten, weiter nach neuen Horizonten zu suchen.

Dabei war der Dialog mit den Leuten auch für die Journalistin aus Kiew zunächst nicht einfach: “Ich habe die von Bomben durchlöcherten Wände in den Häusern gesehen und versucht zu verstehen, was diese Leute, die Ukrainer sind wie ich, durchmachen. Wie ist so etwas möglich und wie kann man es den Menschen im Westen erklären? Dann habe ich gemerkt, dass die Geschichten der Leute für sich selbst stehen und für die Ukraine”.

Etwas aufbauen statt zu zerstören

Natalia Liubchenkova erklärt, Donbass Groove ist die Geschichte von Leuten, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um anderen zu helfen, und von Leuten, die ihre Träume wahr werden lassen wollen – trotz des Kriegs.

Einer dieser Menschen ist Ivan. Er ist mit seiner Familie aus Makijvka in der Region von Donezk geflohen. Der ehemalige Bergarbeiter in einer Kohlemine hatte schon immer davon geträumt, sich selbständig zu machen. Ivan hat seinen Traum verwirklicht und Jobs für andere geschaffen: er hat einen Bioladen aufgemacht.

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Oleksandr ist Chirurg – er wird nie vergessen, wie er zusammen mit einem anderen Arzt in Mykolajiwka bei Slowjansk in einem Kellerraum nur bei Kerzenlicht Dutzende Verletzte operiert hat. Er sammelt jetzt Spendengelder für ein neues Krankenhaus.

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Yana ist aus Donezk geflohen, sie hat in einem Dorf bei Krasna Luka in der Nähe eines Naturschutzgebiets ein neues Zuhause gefunden. Ihr gefällt es so gut hier, dass sie Ökotouristen für den Osten der Ukraine begeistern will.

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Witaly kommt aus Slowjansk, einer der Städte, in denen der Konflikt im Aptil 2014 begann. Heute wird Slowjansk mit seinen etwa 114.000 Einwohnern von der ukrainischen Regierung kontrolliert, und Witaly versucht vom Krieg beschädigte Keramik zu restaurieren.

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In der Kleinstadt Marjinka, einer Bastion pro-russischer Kräfte unweit von Donezk, gibt es eine von Freiwilligen organisierte Bäckerei, die ihr Brot oft kostenlos an Bedürftige verteilt.

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Trotz des offiziellen Waffenstillstands, der von allen Seiten in Minsk beschlossen wurde, steht Marjinka weiter unter Beschuss. Die Hälfte der Bewohner hat die Stadt verlassen. Die 6-jährige Nastya gehört zu denen, die noch immer hier leben. Weil die Angst vor dem Krieg posttraumatischen Stress auslöst, verliert Nastya ihre Haare.

Doch inzwischen geht es dem Mädchen wieder besser – dank der Hilfe von Ärzten und Freiwilligen.

An underground shelter

”Als ich diese Ausstellung vorbereitet habe, habe ich mich bemüht, die Menschen in Europa mit den Geschichten dieser Menschen in der Ukraine zu berühren. Einfach indem ich Parallelen aufzeige zwischen dem Leben der Leute dort und unserem eigenen. Alle Menschen sind sich ähnlich, wenn nicht gleich, es geht um ihre Würde, ihre Freiheit, ihr Recht auf ein glückliches Leben. Dennoch sind unsere Leben sehr verschieden wegen der Ungereimtheiten des Schicksals”.

Die Ausstellung Donbass Groove findet vom 29. November bis zum 9. Dezember im Kulturzentrum der Ukraine in Paris statt.

Natalia

Zur Ausstellung gehören auch Video-Reportagen aus dem Donbass.

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Natalia Liubchenkova ist 1984 in Kiew in der Ukraine geboren. Sie hat einen Masterabschluss in Internationalem Nachrichtenjournalismus und eine Ausbildung als Fotoreporterin des Institute of Photography New York. Seit 2008 arbeitet Natalia Liubchenkova als TV-Journalistin. Seit 2011 lebt sie in Lyon und arbeitet beim internationalen Nachrichtensender euronews. Oft reist Natalia Liubchenkova in die Ukraine, ihren Fotoapparat hat sie immer dabei.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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Erst der #MannequinChallenge, jetzt der #TrumpsComingChallenge und alle drehen durch