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Erosion: Feind Nummer eins von Europas Boden


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Erosion: Feind Nummer eins von Europas Boden

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Bodenerosion, Verschmutzung, Rückgang der Artenvielfalt, Verstädterung: Europas Böden sind mannigfachen Bedrohungen ausgesetzt. Wissenschaftler der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) der EU-Kommission in Norditalien graben bis zu zwei Meter tief, um diese Bedrohungen zu erkennen und zu entschlüsseln – und so besser Abhilfe vorschlagen zu können.

Boden-Experten – Biologen, Agraringenieure – sammeln zusammen mit Kollegen in anderen Teilen Europas tausende Stichproben. Am Ende wollen sie 25.000 Bodenproben aus ganz Europa auf deren Eigenschaften analysieren.

Die Entnahmestellen werden so ausgewählt, dass sie eine einigermaßen homogene Verteilung in den Ländern darstellen. Die Pflanzendecke der Böden wird dabei berücksichtigt, die Nutzung des Bodens, klimatische Bedingungen und der Bodentyp.

Grasnarben am Rande der Äcker als Abhilfe


Einer der größten “Bodenfeinde” ist die Erosion. Regen, unsachgemäße landwirtschaftliche Praktiken und die Topographie sorgen zusammen dafür, dass in Europa rund 2,4 Tonnen fruchtbarer Boden pro Hektar an der Oberfläche weggespült werden. Ein besseres Verständnis der Ursachen und Vorgänge hilft den Forschern, Präventionstechniken zu finden.

Panos Panagos vom JRC: “Wir können so den Bauern vorschlagen, mit welchen praktischen Mitteln sie die Erosion bekämpfen können. Zum Beispiel zu versuchen, die Bodenbestellung einzuschränken, nach der Ernte die Pflanzenreste auf dem Feld zu lassen, und Gras am Rande der Äcker zum Schutz stehen zu lassen.”

Die Erkennnisse der Wissenschaftler in Italien sollen sich auch auf die Politik der Europäischen Union für ein gutes und nachhaltiges Management der Böden niederschlagen.
Projektleiter Arwyn Jones: “Die meisten denken beim Boden an eine Quelle für Nahrungsmittel, denn 99,9 Prozent der Kalorien, die wir zu uns nehmen, stammen aus der Landwirtschaft. Doch der Boden übernimmt noch andere Funktionen, wie die Wasserreinigung, er mildert die Auswirkungen von Überschwemmungen, er hilft gegen den Klimawandel, indem er Kohlendioxid aus der Atmosphäre bindet. Und er dient auch als Puffer für uns gegen die Folgen der Umweltverschmutzung.”

DNA-Tests zur Bestimmung der Artenvielfalt im Boden


Dafür muss der Boden aber in guter Verfassung sein. Ein Indikator ist die Vielfalt der Arten, die er beherbergt. Deshalb nehmen die Forscher auch Proben zum Beispiel aus dem Waldboden. Bodenbiologe Alberto Orgiazzi: “Wir schätzen, dass sich in einem Hektar Boden rund 5.000 Kilo lebende Organismen finden.”


Neben klassischen biologischen Analysen führen sie auch DNA-Tests durch, um genau zu bestimmen, welche Organismen und Artengemeinschaften im jeweiligen Boden leben.

Bodenatlanten, interaktive Datenbanken, Modelle und Empfehlungen für Politiker und Bauern oder auch Informationskampagnen für die Öffentlichkeit sind am Ende das Ergebnis dieser Grabungsarbeiten.

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