Eilmeldung

Eilmeldung

Größte muslimische Wallfahrt der Welt: 20 Millionen pilgern in den Irak

Angst vor Terroranschlägen auf schiitisches Heiligtum

Sie lesen gerade:

Größte muslimische Wallfahrt der Welt: 20 Millionen pilgern in den Irak

Schriftgrösse Aa Aa

Trotz Krieg, Unsicherheit und einer harten Anreise haben sich mutmaßlich mehr als 20 Millionen Muslime in der irakischen Stadt Kerbela zum Arbain zusammengefunden. Das Fest gilt als eine der größten muslimischen Pilgerfahrten überhaupt, die sogar den Hadsch nach Mekka bei weitem übertreffen.

Bei dem Fest kommen Muslime aus mehr als 60 Ländern friedlich zusammen. Viele von ihnen sind in andere irakische Städte gereist und legen von dort aus den restlichen Weg zu Fuß zurück. Mit dem Arbain-Fest beenden die Muslime eine 40-tägige Trauerzeit für den Imam Hussein, der als Enkel Mohammeds gilt. Hussein war der Überlieferung nach 680 in der Schlacht von Kerbela getötet worden. Bei den Schiiten gilt er als Märtyrer.


Kerbela, Irak

Bereits in den vergangenen Jahren waren trotz Sicherheitswarnungen Millionen nach Kerbela gepilgert. Die Stadt ist vor allem ein schiitischer Wallfahrtsort, weshalb die Angst vor Anschlägen der sunnitischen IS-Miliz besonders groß ist. Die Behörden haben ein hohes Aufgebot an Sicherheitskräften für Arbain abgestellt.

Das Fest gewinnt derzeit auch aus politischen Gründen an Bedeutung. Schiitisch dominierte Regierungen, beispielsweise im Iran, versuchen Beobachtern zufolge, Kerbela als Alternative zum Hadsch nach Mekka aufzubauen. Damit solle ein Gegenpol zur Dominanz des sunnitisch geprägten Saudi-Arabiens und dessen heiligen Städten in Mekka und Medina aufgebaut werden. Zwischen Saudi-Arabien und dem Iran schwelt ein politisch-religiöser Konflikt. So sind die Bürger des Iran in diesem Jahr beispielsweise vom Hadsch ausgeschlossen, weil Saudi-Arabien notwendige Genehmigungen nicht erteilt hat. Streitpunkte sind unter anderem die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien sowie der Aufruf des iranischen Ajatollahs Ali Chamenei, die Verwaltung der Hadsch durch Saudi-Arabien zu überdenken.