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Weltbank warnt vor wirtschaftlichen Folgen des Populismus


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Weltbank warnt vor wirtschaftlichen Folgen des Populismus

Populisten polarisieren die Gesellschaft und schaffen Spannungen, die das Wirtschaftswachstum schwächen. Die Weltbank hat in einem Bericht vor den Gefahren gewarnt, die populistische politische Bewegungen für die wirtschaftliche Entwicklung in Europa und Zentralasien darstellen.

Einkommen steigen kaum noch und die Ungleichheit nimmt zu. Gleichzeitig führen der strukturelle Wandel am Arbeitsmarkt und damit einhergehende Arbeitsplatzunsicherheit zu mehr Unzufriedenheit und legen die Grundlage für Populismus.

Die meisten Gesellschaften können einmalige Erschütterungen ertragen, aber ständig negative Wirtschaftsdaten haben einen Vertrauensverlust in die traditionellen Parteien zur Folge. Aber der Erfolg der populistischen Bewegungen, so warnt der Bericht, führt direkt zu einer weiteren Schwächung der Wirtschaftsleistung.

DOLORESZ KATANICH, EURONEWS, LYON:
“Zu den möglichen Folgen von Populismus in Europa und Zentralasien unterhalten wir uns jetzt mit dem Chef-Volkswirt der Weltbank Hans Timmer. Aufgrund des zunehmenden Populismus in aller Welt leben wir in unsicheren Zeiten. In Ihrem Bericht warnen sie vor langfristigen wirtschaftlichen Folgen. Warum?”

HANS TIMMER:
“Die Wahlerfolge der populistischen Parteien sind in Ängsten vor dem Wandel am Arbeitsmarkt and mangelnder Arbeitsplatzsicherheit begründet. In Zukunft stehen wir vor Risiken, weil die Probleme vieler Menschen nicht gelöst sind. Es gibt dramatische Veränderungen aufgrund der Globalisierung und der neuen Technologien, an die sich die Menschen nur schwer gewöhnen können. Die Gesellschaft benönigt vermutlich einen neuen Sozialvertrag, um mit den Veränderungen am Arbeitsmarkt umzugehen.”

DOLORESZ KATANICH:
“Wenn, wie Sie in ihrem Bericht behaupten, Arbeitsplatzunsicherheit den Populismus fördert, welche Wirtschaftspolitik sollten Regierungen dann verfolgen, um dagegen vorzugehen?”

HANS TIMMER:
“Arbeitsplatzunsicherheit bedeutet, dass alle neuen Jobs entweder in Teilzeit oder zeitlich befristet sind. Dauerhafte Vollzeitbeschäftigung wird immer seltener. Die Regierungen müssen den Menschen dabei helfen, sich an diese neue Situation zu gewöhnen. Das heißt, dass soziale Schutzmechanismen, die wir in der Vergangenheit mit der langjährigen Beschäftigung in großen Unternehmen in Verbindung brachten, nun von diesen Firmen gelöst und in einem größeren Rahmen zugänglich sein müssen.”

DOLORESZ KATANICH:
“Wie werden Europa und Zentralasien voraussichtlich von den protektionistischen Maßnahmen betroffen sein, die sich aus dem Trend zu mehr Populismus ergeben?”

HANS TIMMER:
“Ich glaube, Protektionismus wird ganz allgemein das Wachstum verringern und es schwerer machen, sich an die neuen Umstände zu gewöhnen. Das kann also auf keinen Fall die Antwort sein. Brexit ist, glaube ich, ein gutes Beispiel dafür. Und was im Moment vor sich geht, wird den Menschen, die in der amerikanischen Autoindustrie ihre Jobs verloren haben, kaum helfen. Ich kann darin keine Lösung erkennen. Wir brauchen eine Strategie, die sich auf die Leute konzentriert, die sich an neue Arten der Arbeit gewöhnen müssen. Das gelingt nicht mit dem Schließen der Grenzen.”

DOLORESZ KATANICH:
“Herr Timmer, herzlichen Dank für dieses Gespräch.

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