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Raus aus der Korruption: Wie die Ukraine ihr Gesundheitssystem retten will

In der Ukraine ist der Staat für die Bereitstellung von lebenswichtigen Medikamenten verantwortlich. Aber Korruptionsfälle bei der Vergabe von Aufträgen durch das Gesundheitsministerium an private Unternehmen führten dazu, dass Medikamente oft zu überhöhten Preisen eingekauft wurden und den Kranken nicht zur Verfügung standen. Im vergangenen Jahr hat die Regierung internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen beauftragt, die Medikamentenbeschaffung und -verteilung zu organisieren.

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In Kiew, der Hauptstadt der Ukraine, betreibt das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP ein Lagerhaus für Medikamente. Von hier aus werden Mittel gegen HIV, Tuberkulose, Hepatitis und andere schwere Krankheiten im ganzen Land verteilt.

“Der Minister hat mir gesagt, es hat ein Gesetz gegeben, das vorgeschrieben hat, bei welchem Unternehmen die Medikamente gekauft werden müssen”, sagt Janthomas Hiemstra vom UNDP. “Deshalb glauben wir, dass die Beauftragung internationaler Organisationen ein Weg für die Ukraine ist, alte Angewohnheiten über Bord zu werfen. Glauben Sie mir, die alten Angewohnheiten waren nicht gut. Die Menschen haben ihre Medizin nicht bekommen. Einige Medikamente hier sind das erste Mal seit zwei oder drei Jahren in der Ukraine erhältlich.”

Als noch das ukrainische Gesundheitsministerium für die Medikamentenbereitstellung verantwortlich war, hat nur etwa die Hälfte der Bedürftigen die notwendigen Medikamente bekommen. Das ändert sich jetzt. Aber die entstandenen Schäden sind nur schwer wiedergutzumachen. Weil Impfpräparate fehlten, leben Kinder in der Ukraine mit Tuberkulose. Nach Angaben des Tuberkulose-Krankenhauses in Kiew hat es auch Todesfälle gegeben.

“Die Patienten zu behandeln, denen vorher die Medikamente gefehlt haben, ist schwierig”, erzählt Vasyl Shuripa vom Tuberkulosedispensatorium der Region Kiew, “sie sind in einem schwer einzuschätzenden Zustand. Das kann zum Tod führen.”

Massive Einsparungen im Gesundheitswesen

Bei der Organisation “Patienten in der Ukraine” hat man lange dafür gekämpft, dass alle Patienten an Medikamente herankommen können. Heute sind die Angebote transparenter. Das mache das Gesundheitssystem effizienter, sagt die Geschäftsführerin der Organisation, Olga Stefanyshyna: “Die Einsparungen sind riesig. Wenn wir die Einkaufspreise der internationalen Organisationen mit denen des Gesundheitsministeriums früher vergleichen, sehen wir, dass wir bereits 34 Millionen Dollar gespart haben.”

Vertreter von Nichtregierungsorganisationen sind dagegen, dass das Gesundheitsministerium irgendwann wieder für die Medikamente verantwortlich ist. Stattdessen schlagen sie vor, eine unabhängige Institution für die Aufgabe zu gründen.

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