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Deutsche Wirtschaft vor Jahresendspurt - "bisher kein großer Effekt der Trump-Wahl"


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Deutsche Wirtschaft vor Jahresendspurt - "bisher kein großer Effekt der Trump-Wahl"

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Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist im
November unverändert gut. Der Ifo-Geschäftsklimaindex blieb bei 110,4 Punkten. Nach einem Brexit-Dämpfer für die deutsche Konjunktur im dritten Quartal stehen die Zeichen auf stärkeres Wachstum zum Jahresende, so die Deutsche Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht.

Die Konsumlaune der Verbraucher verbesserte sich vor dem Weihnachtsgeschäft, die Stimmung der Unternehmen ist unverändert gut. Von Juli bis September hatten sinkende Exporte und die Verunsicherung der Wirtschaft nach dem Schock das Wachstum gebremst.

Nach Einschätzung der Bundesbank wird der Dämpfer allerdings schnell abgehakt. «Im letzten Vierteljahr 2016 dürfte die deutsche Wirtschaft nach der temporären Verlangsamung im Sommer wieder deutlich stärker wachsen», schrieb die Notenbank in ihrem aktuellen Monatsbericht.

Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex deute darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal um 0,5 Prozent wachsen und das Wachstum des Gesamtjahres auf 1,9 Prozent steigern werde, meinte der Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe in München. Donald Trump als US-Präsident sei allerdings noch nicht eingepreist.

Klaus Wohlrabe, Ifo-Konjunkturexperte:

“Im Moment sehen wir keinen großen Effekt von der Trump-Wahl auf das Ergebnis unserer Umfrage. Wir hatte beim “Brexit” auch eine Verzögerung von zwei Monaten, bis wir eine erhöhte Unsicherheit gesehen haben. Dies könnte auch diesmal wieder passieren, dass wir also erst im Dezember sehen, dass die Unternehmen Mehr etwas skeptisch oder etwas vorsichtiger sind, denn die Aussagen von Trump sind ja sehr erratisch, das heißt, man muss auch erst ein bisschen abwarten, was wird denn tatsächlich umgesetzt, von dem was er im Wahlkampf angekündigt hat.”

Laut Statistischem Bundesamt halbierte sich der Zuwachs der Wirtschaftsleistung auf 0,2 Prozent gegenüber dem zweiten Vierteljahr. Im Frühjahr hatte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal zugelegt, zum Jahresanfang um 0,7 Prozent.

Getragen wurde die Konjunktur von Juli bis September vor allem vom Konsum der Verbraucher, den Ausgaben des Staates unter anderem für die Versorgung und Unterbringung Hunderttausender Flüchtlinge und dem Bauboom. Die Unternehmen hielten sich im ersten vollen Quartal nach dem Brexit-Votum dagegen mit Investitionen in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge zurück. Die Ausgaben sanken gegenüber dem Vorquartal um 0,6 Prozent. Zudem bremste der Außenhandel die exportorientierte
deutsche Wirtschaft: Die Ausfuhren sanken um 0,4 Prozent, die
Einfuhren stiegen hingegen um 0,2 Prozent)

Anderseits sind Arbeitslosigkeit und Inflation niedrig,
Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab. Das sorgt für Kauflaune. «Der private Konsum erlebt das stärkste und längste Wachstum seit 1992», erklärte ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski, Frankfurt.

Ökonomen erwarten, dass der Konsum die deutsche Konjunktur auch in nächster Zeit Kurs halten wird. Zum Weihnachtsgeschäft
verbesserte sich die Laune der Verbraucher. Der monatliche
GfK-Konsumklimaindex erhöhte sich nach zwei Rückgängen in Folge für den Dezember wieder auf 9,8 Punkte. «Der private Konsum wird damit sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr eine wesentliche Stütze der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland bleiben», sagten die Marktforscher der Nürnberger GfK voraus. Sie erwarten, dass die realen privaten Konsumausgaben 2016 im Vergleich zum Vorjahr um etwa zwei Prozent zulegen werden. «Der Aufschwung in Deutschland bleibt intakt», sagte auch Ifo-Chef Clemens Fuest.

Die Unsicherheit für das kommende Jahr ist allerdings aus
Ökonomen-Sicht gewachsen – auch durch den Trump-Sieg. Der
Republikaner hatte sich im US-Wahlkampf für höhere Zölle gegenüber wichtigen Handelspartnern ausgesprochen. Bereits an seinem ersten Arbeitstag im kommenden Jahr will er das transpazifische Handelsabkommen TPP kippen. Das könnte den schwächelnden Welthandel belasten und die exportorientierte deutsche Wirtschaft treffen.

Die zunehmende Tendenz zur Abkehr vom Freihandel bereitet den EY-Experten (Ernst & Young) in Stuttgart Sorge. «Solche Entwicklungen bedrohen das Geschäftsmodell großer
Teile der deutschen Wirtschaft, das auf dem möglichst freien Zugang zu ausländischen Märkten basiert», sagte Mathieu Meyer, EY-Geschäftsführung.

su mit Reuters, dpa

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