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Marokko - grün bauen, oder chinesisch


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Marokko - grün bauen, oder chinesisch

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Nach der UN-Klima-Konferenz COP 22 in Marrakesch versucht Marokko, konkreten Wirtschaftssparten Reformstimmung einzuhauchen, etwa der Bauwirtschaft auf einer Internationalen Bauausstellung “Salon International du Batiment” in Casablanca (23. bis 27. November 2016).

Laut Deutscher Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) leben in Marokko schätzungsweise rund 33 Millionen Menschen, fast dreimal so viele wie vor 60 Jahren.

Mohammed Nabil Ben Abdellah, Wohnungsbauminister:

“Nach der COP 22 müssen wir die Qualität verbessern und Anstrengungen in Sachen Energieeffizienz unternehmen. Es ist ein neues Entwicklungsfeld für unser Land und wir wollen, dass sich vor allem die Bauswirtschaft entwickelt. Der Sektor beschäftigt mehr als eine Million Menschen. Es repräsentiert mehr als 6 Prozent unserer Volkswirtschaft, unseres BIP.”

Klimawandel, das heißt in Marokko zum Beispiel: Mehr als zwei Monate ohne Niederschläge im vergangenen Jahr. 40 Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft. “Extreme Trockenperioden, ungleiche Grundbesitzverhältnisse – größter einzelner Grundbesitzer ist der König -, Armut, schlechte Bildungschancen und mangelnde medizinische Versorgung haben zu einem wahren Exodus in die marokkanischen Großstädte geführt,” so die GIZ.

Mohammed Nabil Ben Abdellah, Wohnungsbauminister:

“Die meisten Menschen leben heutzutage in Städten. Die Städte in Marokko konzentrieren sich auf mehr als 65 Prozent der Bevölkerung.”

Noch in den 1960er Jahren war die Proportion exakt andersherum.

Im Zuge der Bautätigkeit wurden 52.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen, um 125.000 Arbeitsplätze zu ersetzen, die vor allem in der Landwirtschaft aufgrund einer schweren Dürre verloren gegangen sind (Q3 2016 laut Hoher Planungskommission).

Dies hat dazu beigetragen, Marokkos Arbeitslosenquote im dritten Quartal dieses Jahres von 10,1 Prozent im Vorjahreszeitraum auf 9,6 Prozent zu senken. Arbeitslosenhilfe gibt es nicht, rund eine Million Marokkaner müssen mit weniger als einem US-Dollar am Tag auskommen. Auslandsmarokkaner überweisen pro Jahr bei rund 6 Milliarden Euro, meist für den täglichen Bedarf.

Dazu die GIZ: “Dem steht der immense Reichtum des Königshauses gegenüber. König Mohammed VI. ist laut Forbes einer der zehn reichsten Monarchen der Welt. Seit er 1999 den Thron übernahm, soll er sein privates Vermögen mindestens verfünffacht haben. Mit geschätzten 2,5 Milliarden US-Dollar (2,34 Milliarden EuroI) liegt “M 6” mittlerweile vor den Herrschern von Ölländern wie Qatar oder Kuwait.”

In der Nähe von Rabat und Tanger sollen für 2,4 und 9,4 Milliarden Euro eine Öko- und eine Industriestadt an der Küste entstehen, letztere unter chinesischer Regie (Haite-Gruppe). Und mit Hintergedanken: “Marokko ist ein natürlicher Ort für China als Tor zu Afrika,” so Mohamed Boussaid, Marokkos Minister für Wirtschaft und Finanzen.

Um beide Städte ballt sich ein wesentlicher Teil der Flüchtlinge ohne Papiere im Land, meist aus Subsahara-Ländern. Ihre Zahl wird auf bis zu 50.000 geschätzt (GIZ).

su

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