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Weltaidstag: Krankheit wird sich unter jugendlicher Erdbevölkerung noch ausbreiten


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Weltaidstag: Krankheit wird sich unter jugendlicher Erdbevölkerung noch ausbreiten

Die Zahl der jährlich neuen HIV-Infektionen unter Jugendlichen könnte nach UNO-Schätzungen bis 2030 auf 400000 steigen. Letztes Jahr lag sie bei 250000.

Das geht aus einem Bericht des UNO-Kinderhilfswerks Unicef zum Weltaidstag am 1. Dezember hervor. Demnach könnte sich angesichts der starken Zunahme junger Menschen in der Weltbevölkerung die Zahl neuer Infektionen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren fast verdoppeln.

Weltweit lebten letztes Jahr fast zwei Millionen Menschen zwischen 10 und 19 Jahren mit HIV – dem Krankheitserreger, der die Aidskrankheit hervorrufen kann.

Der Erreger kann vor allem durch ungeschützten Sex übertragen werden, aber auch schon bei der Geburt oder durch den gemeinsamen Gebrauch von Spritzennadeln.

Der neue Unicef-Bericht fordert unter anderem mehr Investitionen, einen besseren Datenaustausch und ein Ende der Stigmatisierung, die mit der Krankheit verbunden sei.

Der Leiter des entsprechenden UNO-Programms, Michel Sidibé, hob aber auch hervor, noch vor zehn Jahren seien nur drei Millionen
HIV-Infizierte in Behandlung gewesen: Heute seien es dagegen 18 Millionen.

Das ist die Hälfte aller gut 36 Millionen Infizierten. Darunter steckten sich etwas über zwei Millionen Menschen im vergangenen Jahr an.

HIV und Aids sind heute kein Todesurteil mehr wie vor zwanzig oder dreißig Jahren: Die antiretrovirale oder Kombinationstherapie unterdrückt die Krankheit weitgehend, heilt aber die Betroffenen nicht. Teils unter Nebenwirkungen müssen die Medikamente daher fortdauernd genommen werden.

Zum Weltaidstag wurden aber auch mehrere Forschungsansätze gemeldet, die die jetzige Therapie vereinfachen könnten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat sich zum Ziel gesetzt, HIV und Aids bis 2030 auszurotten.

In Europa ist die Zahl der neuen HIV-Infektionen stabil: 2015 wurden in den 31 Ländern der EU und des Wirtschaftsraums EEA knapp 30000 neue Fälle registriert. Allerdings sind es weitaus mehr, wenn man weitere europäische Länder hinzunimmt.

Viele Menschen in Europa wissen zudem gar nichts von ihrer Erkrankung. Das geht aus einem Bericht hervor, den das Europäische Zentrum für Vorbeugung und Kontrolle von Krankheiten ECDC zusammen mit der WHO veröffentlichte.

Demzufolge ahnt einer von sieben Betroffenen nicht, dass er HIV-positiv ist – das wären im EU-/EEA-Gebiet noch einmal gut 120000 Menschen. Zwischen Infektion und Diagnose vergehen schätzungsweise knapp vier Jahre. Das bedeutet, dass ein Infizierter andere anstecken kann und notwendige Medikamente nicht früh genug bekommt.

Laut WHO und ECDC sollten auch die westlichen Länder ihre Aufklärungsarbeit verbessern. «Das Gesundheitspersonal sollte öfter einen HIV-Test anbieten», sagte eine ECDC-Sprecherin. Es müsse normal sein, sich regelmäßig untersuchen zu lassen.  

Das Unwissen über HIV und Aids ist auch nach Jahrzehnten noch groß.

Die Tatsachen

  • 1. Sind HIV und Aids dasselbe?
    Nein. Jemand kann den HI-Virus im Körper haben, ohne dass die Krankheit Aids ausbricht. Davon spricht man, wenn das Abwehrsystem des Körpers so geschwächt ist, dass es mit Erkrankungen nicht mehr fertig wird, die sonst kein Problem darstellten.
  • 2. Wird HIV beim Geschlechtsverkehr immer übertragen?
    Das muss nicht so sein: Verglichen mit anderen ansteckenden Krankheiten ist das HIV-Risiko bei einem einzigen Geschlechtsverkehr sogar vergleichsweise gering. Andere Faktoren beeinflussen das ebenfalls: Wenn in HIV-Infizierter erfolgreich behandelt wird und Viren nicht mehr nachweisbar sind, dann kann er auch niemanden anstecken. Ein Kondom ist aber weiterhin das einfachste und wirkungsvollste Gegenmittel.
  • 3. Bekommt man HIV durch Oralsex?
    Das Risiko hierfür ist sehr gering, aber es kann vorkommen. Bei Verletzungen oder offenen Stellen im Mund sollte man es sein lassen, da an diesen Stellen der Virus dennoch in den Körper gelangen kann.

Die Mythen

  • 1. HIV bekommen nur Schwule
    Schwule sind vergleichsweise stark betroffen, aber HIV kann jeder bekommen: Auch viele Heterosexuelle leben mit dem Erreger. 2010 war unter ihnen die Mehrzahl der neuen Fälle zu finden. Gefährdet ist jeder, der sex ohne Kondom hat oder sich beim Drogengeben die Spritze eines anderen verwendet.
  • 2. HIV bekommt man, wenn man gebissen oder angespuckt wird
    Vom Anspucken bestimmt nicht, vom Beißen kaum. Dutzende Millionen Menschen haben sich über die Zeit infiziert: Es sind aber nur vier Fälle von möglicher Übertragung durch Beißen bekannt – alle in sehr unüblichen Situationen.
  • 3. HIV kann über Rasierklingen oder Zahnbürsten übertragen werden
    Das geht nicht: Ratsam ist es aus allgemeiner hygienischer Sicht trotzdem nicht, diese Gegenstände gemeinsam zu benutzen.

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