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Fake News und die Folgen - Merkel und Clinton warnen


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Fake News und die Folgen - Merkel und Clinton warnen

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Die Demokratin Hillary Clinton hat vor Gefahren durch die Verbreitung von Falschnachrichten und Verschwörungstheorien gewarnt. Es habe in diesem Jahr eine regelrechte Epidemie von “Fake News” und Propaganda gegeben, sagte die Rivalin von Donald Trump im Rennen um die Präsidentschaft Ende vergangener Woche im Kapitol in Washington. Und: Es sei nun klar, dass die Falschnachrichten Konsequenzen haben könnten.

Sie bezog sich damit offensichtlich auf einen Vorfall in der US-Haupstadt am vorvergangenen Wochenende. In einer Pizzeria, die während des Wahlkampfs Gegenstand einer Verschwörungstheorie war, hatte ein Mann das Feuer eröffnet. Verletzt wurde niemand. Bei der Polizei gab der 28-Jährige an, er habe der Behauptung nachgehen wollen, dass Clinton und andere aus dem Restaurant heraus einen Kinderpornoring betrieben.

Clinton rief Politiker beider Parteien dazu auf, etwas gegen das Problem zu tun. Es war erst der zweite öffentliche Auftritt der 69-Jährigen nach der überraschenden Niederlage gegen den Republikaner Donald Trump am 8. November, aber die Aussagen verdeutlichen den Gesprächsbedarf in Bezug auf “Fake News” oder Falschnachrichten.

Eine Analyse von Buzzfeed News kam etwa zu dem Schluss, dass die erfolgreichsten “Fake News” zu den US-Wahlen auf Facebook mehr Menschen interessierten, als die Nachrichten von Mainstream-Anbietern wie der New York Times.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg erklärte, 99 Prozent der Inhalte des Portals seien authentisch. Und wenn es “Fake News” gebe, dann sei immer mehr als eine Sichtweise der Dinge vorhanden. Trotzdem will Zuckerberg nun verstärkt gegen Fake News vorgehen. So sollen Nutzer künftig einfacher Inhalte melden können. Als Fake identifizierte Meldungen werden künftig speziell markiert. Und facebook will mit Organisationen und Journalisten zusammenarbeiten, etwa in Bezug auf Faktenchecks und die Auswahl von Links.

Jenni Sargent, Geschäftsführerin von First Draft News, die Leitlinien für die Überprüfung von Online-Inhalten anbieten, sagte euronews: “Einer der Tricks derjenigen, die gefälschte Nachrichten in Umlauf bringen ist, Inhalte zu schaffen, die die Neigung des Publikums, auf das sie zielen, bestätigen. Deshalb ist es etwa unwahrscheinlich, dass Trump-Anhänger, die ein Anti-Clinton-Posting teilen, die Art und Weise ändern, wie Leute dann tatsächlich bei der Wahl abstimmen.”

Folgen für Europa

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich bereits für neue Regeln im Umgang mit Fake News ausgesprochen. Die Meinungsbildung erfolge heute anders als noch vor 25 Jahren. Das sei auch für den Bundestag “spannend”, sagte Merkel bei der Generalaussprache im Bundestag und spielte damit wahrscheinlich auf bevorstehende Gesetzesinitiativen an. Fakeseiten und Meinungsroboter können vor allem im Vorfeld der Wahlen in Frankreich und Deutschland im kommenden Jahr eine Rolle spielen. Merkel warnte, “social bots”, also manipulative Software-Programme für soziale Medien, seien geeignet zur Manipulation von Wahlen.

Jenni Sargent von First Draft News verwies auf die geringen Einstiegskosten. Man müsse nur einen Namen für eine Domäne registrieren und kostenlose Blog-Werkzeuge wie Wordpress nutzen, um seine Meinung online darzustellen. Einschränkend sagte Sargent: “Man braucht allerdings gewisse Fertigkeiten. Wenn jede einzelne Meldung auf einer gefälschten Nachrichtenseite unwahr ist, wird der Leser sofort misstrauisch. Die Fähigkeit besteht also darin, seriöse Nachrichten und Geschichten anderer Quellen geschickt einzufügen. Daraus entsteht zusätzliche Verwirrung.”

Sargent ergänzte: “Dann brauchen Sie noch eine kluge Präsenz in sozialen Medien, um die Artikel unter den richtigen Gemeinschaften zu platzieren. Das dient der Bestätigung von Voreingenommenheit, vor allem, wenn wir über Wahlen sprechen.”

Sargent sagte die Erwartung, dass Facebook und Twitter sofort mit einer Lösung um die Ecke kommen sei “ehrgeizig”.

“Ich denke, sie sind sich sehr bewusst, dass es mehr gibt, was sie tun können”, fügte sie hinzu. “Es nützt ihnen nicht. Die Frage des Vertrauens ist sehr wichtig.”

“Die Leute sagen, niemand vertraut Journalisten, niemand vertraut den Medien. Aber Sie vertrauen Ihrem Onkel Bob, der Facebook nutzt?”

“Ist es zu viel verlangt von den Nutzern zu erwarten, dass sie infragestellen, was sie sehen? Und ich denke, das müssen wir fast als eine Gesellschaft besprechen, deren Aufgabe es ist, zu kennzeichnen, dass sich etwas um eine Fehlinformation handelt. “

Neuer BND-Chef warnt

Der Präsident des deutschen Bundesnachrichtendienstes, Bruno Kahl, warnte vor dem Wahljahr 2017 ausdrücklich vor Daten-Hacks und Desinformations-Kampagnen, die aus Russland gesteuert werden. Es gebe “Erkenntnisse, dass Cyber-Angriffe stattfinden, die keinen anderen Sinn haben, als politische Verunsicherung hervorzurufen”, sagte Kahl. “Hier wird eine Art von Druck auf den öffentlichen Diskurs und auf die Demokratie ausgeübt, der nicht hinnehmbar ist.”

Der BND-Chef bestätigte, es gebe im US-Wahlkampf “Anhaltspunkte” für eine Spur nach Russland: “Die Zurechnung zu einem staatlichen Akteur ist technisch naturgemäß schwierig. Aber es spricht einiges dafür, dass das von staatlicher Seite zumindest geduldet oder gewünscht wird.”

Auch in Deutschland wachse vor den Wahlen diese Bedrohung. “Europa ist im Fokus dieser Störversuche, und Deutschland ganz besonders.”

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