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"Toni Erdmann" räumt ab: 5 Hauptpreise bei den European Film Awards


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"Toni Erdmann" räumt ab: 5 Hauptpreise bei den European Film Awards

Die Crème de la Crème des europäischen Films hatte sich zur Verleihung der European Film Awards (EFA), der europäischen Filmpreise, in Breslau, dem polnischen Wroclaw, versammelt. Die diesjährige europäische Kulturhauptstadt war Gastgeberin der 29. EFA-Preisverleihung.

Europäischer Beitrag zum Weltkino: Pierce Brosnan

Besondere Ehre gab für Ex-James-Bond-Darsteller Pierce Brosnan, der mit Ehefrau Keely Shaye Smith zur Gala erschien und für seinen europäischen Beitrag zum Weltkino ausgezeichnet wurde.

Die Ehrung sei eine Bestätigung für seine Arbeit und könnte zu keinem besseren Zeitpunkt kommen, sagte der Ire sichtlich gerührt.

In vier James-Bond-Filmen hat er mitgespielt, kann aber noch viel mehr, als 007, von “Mamma Mia!” über “The Ghostwriter” bis zu “Love Is All You Need”. Hat der den ewigen James-Bond-Vergleich nicht irgendwie satt?

Pierce Brosnan: “Warum sollte ich ihn loswerden wollen? (lacht). Es war toll, mit dabei zu sein, es ist eine wunderbare Filmfigur, die 50 Jahre unbeschadet überstanden hat. Nur wenige Männer haben diese Rolle gespielt und ich fühle mich zutiefst geehrt, zum illustren Kreis dazuzugehören.”

Preis für das Lebenswerk: Jean-Claude Carrière

Der französische Drehbuchautor Jean-Claude Carrière, der in seiner langen Karriere mit Regie-Größen wie Tati, Buñuel, Wajda oder dem deutschen Volker Schlöndorff gearbeitet hat, wurde von der Europäischen Filmakademie mit dem Preis für sein Lebenswerk geehrt.

Jean-Claude Carrière: “Diese junge Dame (zeigt auf die Trophäe) empfängt mich in Worclaw, darüber bin ich sehr glücklich, das erinnert mich an viele Momente in meinem Leben. Ich arbeite seit 60 Jahren für den Film, also schon ewig. Aber solange es weiter geht, warum nicht?”

The winner is: “Toni Erdmann”!

Der große Abräumer des Abends war, wie erwartet und erhofft “Toni Erdman”. Die Komödie von Maren Ade gewann alle fünf Hauptpreise: bester Film, beste Hauptdarsteller, bestes Drehbuch und beste Regie. Bei den Filmfestspielen 2016 in Cannes im vergangenen Mai war der Film als Topfavorit gehandelt worden, wurde bei der Preisverleihung jedoch übergangen, dafür immerhin von der internationalen Flimkritikervereinigung FIPRESCI als bester Film des Wettbewerbs ausgezeichnet. Im November gab es den Lux-Filmpreis des Europaparlaments. Jetzt kommt der europäische Filmpreis hinzu.

euronews-Reporter Wolfgang Spindler sprach mit den glücklichen Gewinnern gleich nach der Preisverleihung.

Maren Ade: “Ich hab das Gefühl, dass es schon so war mit dem Film oder vielleicht auch ein Teil des Erfolges ist, dass die Leute auch wirklich gerne lachen im Kino. Und ja, das kann man bei dem Film. Aber man kann ihn auch anders lesen. Ich wollte wirklich etwas machen, was zwischen den beiden Genres liegt.”

Frage an Hauptdarsteller Peter Simonischek: “Hat es doch noch geklappt mit einem Filmpreis?”

Peter Simonischek: “Ja unglaublich, nicht? Hättest Du das gedacht?”

Wolfgang Spindler, euronews: “Ich weiß nicht, so schlecht bist Du ja gar nicht in dem Film!”

Peter Simonischek: “Nein, ich denke auch, offensichtlich habe ich auch noch ein paar andere Leute überzeugt, nicht nur Maren Ade. Nein, es war wirklich wunderbar zu arbeiten mit Sandra Hüller als Partnerin, da musst Du eigentlich nichts mehr machen, da musst Du nur zuhören.”

Sandra Hüller: “Wir haben sehr viel geprobt und wir haben sehr viel über das Verhältnis von Vater und Tochter herausgefunden und einfach immer wieder die Szenen gespielt und geguckt, was geht und was nicht geht, das war ein bisschen wie Theaterproben.”

Beste Komödie: “Ein Mann namens Ove”

Als beste europäische Komödie wurde “Ein Mann namens Ove” von Hannes Holm ausgezeichnet. Es geht es um einen lebensmüden Witwer, der durch die Bekanntschaft mit neuen Nachbarn ins Leben zurückfindet. Hauptdarsteller Rolf Lassgard war als bester Schauspieler nominiert.

Hannes Holm: “Das ist der Preis für die beste europäische Komödie. Wie sind aus Schweden, das ist also schon eine Rarität. Das Geheimnis ist, nicht lustig zu sein (lacht). Jetzt wo Ingmar Bergman nicht mehr da ist, können wir endlich unser Komödienpotenzial entwickeln.”

Bester Dokumentarfilm: “Fuocoammare – Seefeuer”

Der Italiener Gianfranco Rosi wurde für “Fuocoammare – Seefeuer” mit dem Preis für den besten europäischen Dokumentarfilm ausgezeichnet. Bereits im Februar hatte er auf der Berlinale den Goldenen Bären gewonnen.

Gianfranco Rosi: “Dieser Preis fühlt sich so an, als würde man endlich die Ziellinie erreichen. Ich wurde bereits dreimal für den Europäischen Filmpreis nominiert und nun bekomme ich ihn endlich. Ich widme ihn der gesamten Insel Lampedusa.”

Die Flüchtlings-Doku führt auf die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa. Dort filmte Rosi ein Jahr lang Flüchtlinge, Einheimische, Fischer, Ärzte, Helfer und Rettungsaktionen auf hoher See. Ursprünglich war nur ein Kurzfilm geplant. Das Elend, das Rosi auf der Insel vorfand, motivierte ihn zu einer abendfüllenden Dokumentation.

Nächste Etappe: Vielleicht der Auslands-Oscar

Allen Grund, sich zu freuen haben Maren Ade und ihr “Toni Erdmann”-Team. Sie ist übrigens die erste Frau in der 29-jährigen Geschichte des Europäischen Filmpreises, die den Hauptpreis gewinnt. Es könnten demnächst noch ein paar Auszeichnungen dazukommen, meint euronews-Reporter Wolfgang Spindler: “Eine glanzvolle Preisverleihung, ein Riesenerfolg für den Film “Toni Erdmann”. In Anbetracht des internationalen Erfolges dürfte dem Film eine Nominierung für einen Oscar sicher sein. Wollen wir wetten?”

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