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Nigeria: Neben Konflikt mit Boko Haram droht Hungersnot


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Nigeria: Neben Konflikt mit Boko Haram droht Hungersnot

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In Nordostnigeria haben Hunderttausende auf der Flucht vor Boko Haram ihr Zuhause verlassen müssen. Im Oktober waren laut UN 1,8 Millionen Menschen auf der Flucht vor der Gewalt durch Boko Haram und die Gegenoffensive gegen die Islamisten. Den neuesten Angaben zufolge sind es 1,7 Millionen. Viele sind nach Maiduguri, in die Hauptstadt des nordöstlich gelegenen Bundesstaates Borno geflohen, in dem die Milizen vor allem aktiv sind. Doch wer Boko Haram entkommen ist, steht vor einer neuen Bedrohung: Hunger. Etwa acht Millionen Nigerianerinnen und Nigerianer sind demnach von Nahrungsmittelknappheit betroffen, auch diese Zahlen sind im Vergleich zum Oktober gesunken. Mehr als zwei Millionen unterernährte Kinder unter fünf Jahren sind auf Hilfe angewiesen.

Hilfsorganisationen kämpfen gegen die Unterernährung, dennoch sterben immer wieder Menschen an dem Mangel. Die Nichtregierungsorganisation Alima betreibt mithilfe der EU seit August eine Klinik für Kinder unter fünf Jahren. Etwa 100 Kinder werden dort pro Tag behandelt. Margaret Otuya arbeitet in der Klinik. Sie kümmert sich gerade um den kleinen Abubaka: “Er ist ein Jahr und drei Monate alt und wiegt 6 Kilo. Das ist normalerweise das Gewicht eines vier Monate alten Babys”, so Otuya.

Der Junge wird in ein reguläres Krankenhaus gebracht, weil sein Zustand zu ernst ist. Die Klinik von Alima behandelt am Tag etwa sieben stark unterernährte Kinder wie Abubaka. Das sind etwa 50 pro Woche. “In drei Monaten haben wir über 6000 Fälle behandelt”, so Otuya. “Etwa 1000 Kinder waren stark unterernährt. Das ist alarmierend. Am tödlichsten sind Atemwegsinfektionen, dann Durchfall und Malaria.”

UNICEF warnt davor, dass bis Ende 2017 bis zu 75.000 Kinder in Nordostnigeria an Hunger sterben, wenn sie nicht mehr Hilfe bekommen. Droht in Borno eine ähnliche Hungerkatastrophe wie in der abtrünnigen Provinz Biafra" Ende der 60er-Jahre”:http://www1.wdr.de/stichtag/stichtag4922.html oder wie in Somalia? “Im Vergleich zu Biafra und Somalia leiden in ganz Nigeria viel weniger Menschen an Hunger, aber in einigen Bundesstaaten sind die Zahlen besorgniserregend”, so Cecile Barrière von der französischen Hilfsorganisation Solidarités International. “Sie liegen weit über der kritischen Alarmschwelle für Mangelernährung. Die liegt bei schwer unterernährten Kindern bei zwei Prozent, in einigen Bundesstaaten sind neun Prozent betroffen. Bei allgemeiner Mangelernährung liegt die Alarmschwelle bei zehn Prozent, dort liegt sie bei 37 Prozent.”

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Millionen Menschen befinden sich weiterhin in den Gebieten im Nordosten des Landes, die von Boko Haram kontrolliert werden und in die somit keine Hilfslieferungen gelangen. Die Extremisten können sich in den ländlichen Gebieten frei bewegen, viele landwirtschaftliche Anbauflächen wurden aufgegeben. Wenn Dörfer befreit werden, findet man oft Einwohner vor, die im Elend leben.

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Maiduguri ist einer der sichersten Orte in Borno. Trotzdem werden in der Hauptstadt seit Oktober fast wöchentlich Selbstmordanschläge verübt, manchmal mehrmals täglich. Viele Menschen leben in Zelten, zerbombten Gebäuden oder Gastunterkünften, so auch Zara Dalla.“Ich bin vor einem Jahr aus einem 70 Kilometer entfernten Dorf geflohen”, berichtet die 40-Jährige. “Boko Haram hat versucht, meine Kinder zu entführen, deswegen mussten wir fliehen. Bei uns hat jede Familie jemanden verloren.”

Dalla wartet mit anderen Müttern, um ihre Tochter in der Klinik von Alima behandeln zu lassen. Die kleine Aisha ist unterernährt und wird wöchentlich durchgecheckt. Das Mädchen wird seit zwei Wochen in der Klinik behandelt, so Otuya. “Sie ist jetzt in der dritten Woche des Programms. Sie ist zwei Jahre alt. Als sie kam wog sie 7,8 Kilo, jetzt 8,2. Es geht ihr gut.”

Zara Dalla und die anderen Mütter bekommen von Hilfsorganisationen Pakete mit Essen und Wasser. Eine bessere Wasserversorgung und bessere Hygienebedinungen könnten nach Angaben der WHO weltweit 360.000 Kinder unter fünf Jahren vor dem Tod bewahren. Deswegen werden in Maiduguri Latrinen und Wasserstellen aufgebaut, wie Almoustapha Garba von Solidarités International erklärt: “Wir müssen noch neun Wasserstellen bauen. In den Vorstädten wird die Situation immer angespannter, deswegen kommen immer Leute hierher. Aber mit neun Wasserstellen können wir schon vielen Menschen helfen.”

Die Europäische Kommission hat 2013 damit begonnen, die Menschen in Nigeria zu unterstützen. Das Europäische Amt für humanitäre Hilfe (ECHO) hat seit dem Hilfe in Höhe von etwa 75 Millionen Euro geleistet. “Wir erleben in Nordostnigeria die sich derzeit am schnellsten vergrößernde Flüchtlingskrise”, so ECHO-Mitarbeiterin Isabel Coello. “Es wird noch viel Hilfe gebraucht. Die Nahrungsknappheit könnte sich zu einer wahren Hungerkatastrophe ausweiten.”

Nigeria war im laufenden Jahr laut Vereinten Nationen auf rund 450 Millionen Euro Hilfe angewiesen. Etwa die Hälfte hat das Land bekommen. Für das kommende Jahr braucht es noch mehr. Laut UN werden über 120.000 Menschen 2017 nicht überleben, wenn sie keine Hilfe bekommen.

Unterstützt von der Europäischen Kommission

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