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Finanzloch: Regierung der Ukraine verstaatlicht größtes Finanzinstitut "PivatBank"


Wirtschaft

Finanzloch: Regierung der Ukraine verstaatlicht größtes Finanzinstitut "PivatBank"

Die ukrainische Regierung hat die schwer angeschlagene
«PrivatBank» überraschend verstaatlicht und ist damit einer Pleite der größten Bank des Landes zuvorgekommen. Dem Geldinstitut zufolge hat jeder zweite Ukrainer ein Konto bei der 1992 gegründeten Bank.

Die bisherigen Hauptaktionäre der Bank, die Milliardäre
Igor Kolomoiski und Gennadi Bogoljubow, waren den Forderungen der Zentralbank nach einer Kapitalerhöhung nicht nachgekommen. Zudem seien 97 Prozent der Unternehmenskredite an Firmen ausgereicht worden, die mit Anteilseignern der Bank verbunden seien. Das Finanzloch der Bank wurde mit 5,4 Milliarden Euro (1. Dezember) beziffert.

Präsident Petro Poroschenko versuchte, die Millionen Kunden zu
beruhigen – «der Staat garantiert den Schutz der Spareinlagen»:

“Zum Schutz der Privatbank Einleger habe ich als dringende Maßnahme dem Parlament ein Gesetz vorgelegt, das für die Bürger und Kunden des Instituts zusätzliche Garantien bringt.”

Zentralbankchefin Walerija Gontarewa kündigte die Ausgabe von
Staatsanleihen bis zu 5,4 Milliarden Euro an, um die Übernahme zu
finanzieren. Igor Kolomoiski, bisher einer der Hauptaktionäre,
verurteilte die Verstaatlichung als «feindliche Übernahme».

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), IWF-Chefin Christine Lagarde und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini begrüßten den Schritt der Regierung.

Der ukrainische Finanzminister Alexander Daniljuk sagte, mit der
Verstaatlichung stiegen die Aussichten auf weitere Kredite des
Internationalen Währungsfonds (IWF). Daniljuk:

“Sobald die Bank vollständig stabilisiert ist und sich nach dem strategischen Plan entwickelt, plant die Regierung, sie wieder zu verkaufen.”

Die Ukraine, im Osten in einen Konflikt mit pro-russischen Separatisten verwickelt, hat große Korruptionsprobleme und ist wirtschaftlich schwer angeschlagen. Sie ist auf Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) angewiesen, der aber politische Stabilität und Reformen verlangt.

In der früheren Sowjetrepublik herrscht seit 2014 eine Wirtschaftskrise. Zuletzt hatte Kiew (im September) knapp 960 Millionen Euro aus einem vierjährigen IWF-Kredit-Programm (von 16,7 Milliarden Euro) erhalten.

su mit Reuters, dpa

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