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Polizei: Lkw vorsätzlich auf Berliner Weihnachtsmarkt gesteuert


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Polizei: Lkw vorsätzlich auf Berliner Weihnachtsmarkt gesteuert

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Lkw in Berlin
vorsätzlich auf einen Weihnachtsmarkt gesteuert wurde. Das teilte die Polizei am frühen Dienstagmorgen über Twitter mit. Dort ist auch erstmals von einem “vermutlich terroristischen Anschlag” die Rede. Diese Formulierung war bisher von offiziellen Stellen vermieden worden.

Am Abend war ein Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gerast. Mindestens zwölf Menschen wurden getötet, rund fünfzig verletzt.

Die Polizei teilte mit, ein Verdächtiger sei in der Nähe der Siegessäule festgenommen worden, rund zwei Kilometer entfernt – vermutlich der Fahrer des Sattelschleppers.

Im Führerhaus des Fahrzeugs wurde außerdem ein toter Mann gefunden. In der Nacht teilte die Berliner Polizei mit, es handle sich um einen Mann mit polnischer Nationalität. Die Beamten gehen dem Verdacht nach, dass der Lastwagen gestohlen war.

Der Festgenommene ist nach einem Bericht der Zeitung “Der Tagesspiegel” aus Pakistan oder Afghanistan; die Zeitung beruft sich auf Angaben aus Sicherheitskreisen. Die Polizei spricht bisher davon, seine Herkunft sei unklar.

Der Lastwagen war zunächst über den Gehweg am Breitscheidplatz gefahren, dann auf einer Strecke von rund achtzig Metern zwischen den Marktständen hindurch.

Kurz nach Mitternacht teilte die Berliner Polizei mit, die Feuerwehr habe ihren Rettungseinsatz am Breitscheidplatz beendet. 45 zum Teil schwer Verletzte wurden demnach in Krankenhäuser gebracht.

Ob es ein Anschlag oder ein Unfall war, ist noch unbekannt. Die Polizei teilte am späten Abend mit, die Hintergründe seien weiterhin unklar. Das Landeskriminalamt übernehme die Ermittlungen vor Ort.

Außerdem ermittele jetzt der Generalbundesanwalt, gab Bundesjustizminister Heiko Maas bekannt. Das geschieht unter anderem bei einem Verdacht auf Terrorismus.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagte am späten Abend, er wolle noch nicht von einem Anschlag sprechen, auch wenn dafür viel spreche. Man wisse über Hintergründe und Hergang aber nichts Endgültiges.

Angehörige von möglichen Opfern, die Näheres wissen wollen, können die Personenauskunftsstelle der Berliner Polizei unter 030-54023-111 anrufen. In der Gedächtniskirche wird ein Kondolenzbuch ausliegen.

Der Chef des Weihnachtsmarkts, David Eckel, zeigte sich schockiert. Der Markt bleibe auf unbestimmte Zeit geschlossen, sagte er dem “Tagesspiegel”.

Truck smashes through Christmas market

Der Lastwagen kam aus Polen. In der Bildergalerie der Webseite der Spedition ist das Fahrzeug abgebildet.

Im polnischen Fernsehen sagte Spediteur Ariel Żurawski, er habe sein Fahrzeug wiedererkannt. Es habe von Italien Stahl nach Berlin gebracht. Es habe aber nur einen Fahrer gegeben, dieser sei sein Cousin gewesen – also keinen Beifahrer.

Mittags habe er zum letzten Mal mit dem Fahrer gesprochen, nachmittags habe er ihn nicht mehr erreicht.

Im Internetportal WP sagte Żurawski: “Das war nicht mein Fahrer.”

Laut “Berliner Zeitung” sagte Żurawski auch im polnischen Radio TVN24, sein Cousin sei mit dem Laster gefahren. Dass sein Cousin so einen Unfall verursache, könne er sich nicht vorstellen – er habe fünfzehn Jahre Erfahrung. Zu einem Anschlag sei er möglicherweise gezwungen worden.

Einen ähnlichen Anschlag hatte es im Sommer im französischen Nizza gegeben: Dort raste ein Mann mit einem Lastwagen über die Uferpromenade, 86 Menschen kamen damals ums Leben.

      Lorry smashes through Christmas market in Berlin

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      Polizei: Toter im Lastwagen war polnischer Staatsbürger