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Internationale Presse-Kommentare zum Anschlag in Berlin


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Internationale Presse-Kommentare zum Anschlag in Berlin

Die polnische Zeitung “Rzeczpospolita” kommentiert:

“Der sogenannte Islamische Staat, der in Irak, Syrien und Libyen
verliert, muss schnell eine neue Kampffront schaffen, um neue
Sympathisanten zu rekrutieren. Es wäre logisch, wenn Russland und der
Iran als Feinde angesehen würden. Die beiden Mächte sind heute am
meisten in den Umbau des Nahen Ostens engagiert. Doch die sich
mehrenden Anschläge in der EU zeigen, dass der IS den Krieg hierher
verlegen will. Diese Strategie hat nur wenig mit der letztjährigen
Flüchtlingswelle zu tun. Es geht eher um die Unfähigkeit der
EU-Länder, gegen den gemeinsamen Feind zu kämpfen. Europa fehlt die
gemeinsame Armee und Außenpolitik, es kann nicht einmal einen
integrierten Geheimdienst und ein Grenzkontrollsystem aufbauen.
Noch ist es dem IS nicht gelungen, einen offenen Konflikt zwischen
muslimischen Minderheiten und dem Rest der Gesellschaft auszulösen.
Doch die wachsende Unterstützung nationaler Populisten ist in großem
Maße Schuld des IS. Wenn diese an die Macht kommen, und es zum
Zusammenstoß von Islam und Christentum kommt, wird der Fall von Rakka
und Mossul für den IS nur eine vorübergehende Niederlage sein.”

Zum Berliner Terroranschlag schreibt die spanische Zeitung “La Vanguardia”:

“Die fanatischen Dschihadisten haben die Kriegsfront zum Teil in die
Alte Welt verlagert. Eine unmittelbare politische Folge
dieser Anschläge in den europäischen Ländern ist das Infragestellen
der Einwanderungspolitik. Angela Merkel, die die Asylvergabe an rund
einer Million Flüchtlinge vorangetrieben hat, musste sich
bereits kritische Stimmen sogar von Kollegen ihrer CDU anhören, die
sie zu einer Revision der Kriterien auffordern. Und die
ausländerfeindliche AfD hat die Bundeskanzlerin sogar bezichtigt, für
die Attacken verantwortlich zu sein. Man muss nun einen kühlen Kopf
bewahren (…) Das Null-Risiko existiert nicht. Und man kann nicht
behaupten, dass es keine Anschläge mehr geben wird, wenn man die
Flüchtlinge in die Heimat zurückschickt. Der Islamische Staat kann
sein Gift unter den jüngst eingetroffenen Flüchtlingen, aber auch
unter in Deutschland oder in anderen Ländern Europas geborenen
Menschen verbreiten.”

Die bulgarische Zeitung “24 Tschassa” meint:
“Wer hat den Anschlag in Berlin verübt? Welches Motiv hatte er?
Antworten auf diese Fragen gab es bis Dienstag nicht. Zumindest nicht
offiziell, obwohl die Annahmen immer mehr wurden. (.)
Wer auch immer den Anschlag verübt hat, was auch immer seine Motive
sind (.) – er oder sie haben ihre Arbeit (gut) gemacht. Die Menschen
sind in zwei (Lager) geteilt. Die einen sagen “Wir wussten, dass
keine Flüchtlinge nach Europa kommen dürfen”. Die anderen erinnern
daran, dass nicht wenige der jüngsten Anschlägen von Menschen verübt
worden waren, die in der westlichen Gesellschaft geboren und
aufgewachsen sind. Die Stimmungen “für” und “gegen” werden immer
heißer und die schreckliche Wahrheit ist, dass dies nur der Anfang
der Teilung in einem so wichtigen Jahr für Europa ist.”

Die Budapester Tageszeitung “Magyar Idök” schreibt:

“Seit Jahren läutet in Europa der Wecker ohne Unterlass. Aufwachen,
alter Kontinent, alte Bevölkerung! Der grüne und reiche Traumstaat
der ideell Ausgebrannten, der an nichts Glaubenden, der Kinderlosen
wird nicht ewig so bleiben können. Da draußen ist eine ganz andere
Welt und gewiss, sie wird hierherkommen! Du musst was tun, wenn du
das nicht haben willst. In bestimmten westeuropäischen Ländern
sind die Werte allzu sehr in die Schieflage geraten. Die politische
Korrektheit überschreibt das menschliche Leben. Auf die nüchterne
Vernunft hören, gilt schon als Populismus. Der gegenwärtigen EU
fehlt der Dynamismus, um auf die Bedrohungslagen und Angriffe schnell
und entschieden zu reagieren. Denn jeder ist höchstens vier Jahre an
der Regierung. In dieser Zeit soll was geboten werden, aber für das
europäische Allgemeinwohl bleibt keine Zeit. Niemand hat eine
Vision, was wir tun wollen, um das uns überantwortete Traumland und
die dort lebenden Hunderten Millionen zu verteidigen. Es wäre
ein Irrtum zu glauben, dass nun Deutschland oder Europa aufwachen
würde. Beide sind fatalerweise zu behäbig und fettleibig geworden, um
den Weckruf zu hören.”

Die russische Tageszeitung “Wedomosti” kommentiert:

“Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eilig erklärt, dass das Geschehene
weder die Flüchtlingspolitik in Deutschland beeinflussen soll noch
den Umgang mit denen, die schutzsuchend in dieses Land gekommen sind.
Tatsächlich wird es natürlich sowohl die Politik als auch den Umgang
(mit den Flüchtlingen) beeinflussen. Die in Deutschland und in ganz
Europa erstarkenden populistischen Bewegungen erhalten neue Argumente
zugunsten einer Verschärfung des aktuellen «unnötig
menschenfreundlichen» Kurses der Machthabenden. Anders als der
französische Präsident Francois Hollande wird Merkel vielleicht nicht
ihren Posten verlieren, aber sie wird sich wohl im nächsten Jahr bei
der Bundestagswahl mit ernsthaften Problemen konfrontiert sehen.”

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