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Berlin-Anschlag: neuer Hinweis auf möglichen Täter

Nach dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt kommt ein Verdächtiger frei. Die IS-Milizen übernehmen die Verantwortung für die Tat.

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Berlin-Anschlag: neuer Hinweis auf möglichen Täter

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Einen Tag nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt sucht die Polizei weiter nach Hinweisen auf den oder die Täter. Nach Informationen der ARD haben Ermittler jetzt ein Dokument in dem Lastwagen gefunden, das auf den möglichen Täter hinweisen könnte: eine Duldungsbescheinigung für einen 23-jährigen Tunesier. Er soll Kontakt zu Salafisten um Abu Walaa gehabt haben, eine prominente Figur in der deutschen Salafistenszene. Walaa war im November festgenommen worden.

Experten nahmen außerdem die Stelle unter die Lupe, an der der Lastwagen geparkt gewesen sein soll, bevor er zu seiner Amokfahrt startete. Der bisherige Hauptverdächtige wurde am Abend wieder freigelassen. Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft reichten die Verdachtsmomente für eine Untersuchungshaft nicht aus. Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt sagte, es sei möglich, dass der gefährliche Täter noch im Raum Berlin unterwegs sei. Man sei “hochalarmiert”, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière räumte am Abend im ZDF ein: “Es ist nicht auszuschließen, dass der Täter flüchtig ist.” Zugleich versicherte er, die Ermittler tappten keineswegs im Dunklen. Es gebe Ermittlungsansätze, die würden verfolgt. “Wir sollten die Sicherheitsbehörden ihre Arbeit machen lassen. Die arbeiten mit Hochdruck. Und niemand wird ruhen, bis nicht der Täter oder die Täter gefasst sind”, sagte er in der ARD.

IS reklamiert Anschlag für sich

Am Abend übernahmen die IS-Milizen die Verantwortung für die Tat. Das
IS-Sprachrohr Amak meldete im Internet, ein IS-Kämpfer sei für den Angriff verantwortlich gewesen. Die Operation sei eine Reaktion auf Aufrufe, die Bürger der Staaten der internationalen Koalition anzugreifen. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht verifizieren. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle im Internet verbreitet. Auch die Form der Erklärung entspricht früheren Botschaften der Extremisten.

Möglicherweise verhinderte der polnische Lkw-Fahrer, der beim Attentat auf dem Beifahrersitz saß, sogar noch Schlimmeres. Die Obduktion habe ergeben, dass er zum Zeitpunkt des Anschlags noch lebte, schreibt die “Bild”-Zeitung online. Ein Ermittler habe von einem Kampf gesprochen. Auch von Messerstichen ist die Rede. Nach dem Attentat hatte man den Polen tot im Lkw gefunden. Der Mann arbeitete für die Speditionsfirma, der der Sattelschlepper gehört.

Merkel: “Sind in Trauer vereint”

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich zutiefst erschüttert. Ein ganzes Land sei in Trauer vereint, sagte sie in Berlin. “Wir wollen nicht damit leben, dass uns die Angst vor dem Bösen lähmt. Auch wenn es in diesen Stunden schwerfällt: Wir werden die Kraft finden für das Leben, wie wir es in Deutschland leben wollen – frei, miteinander und offen.”

Am Montagabend war der vermutlich entführte Lastwagen in den Weihnachtsmarkt nahe der Gedächtniskirche im Herzen Berlins gerast. Einschließlich des Polen starben zwölf Menschen, rund 50 wurden teils lebensgefährlich verletzt. Laut de Maizière konnten bislang erst sechs der Toten identifiziert werden. 14 Menschen rangen nach seinen Worten vom Dienstagnachmittag nach wie vor mit dem Tod.