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Anis A: "mit hoher Wahrscheinlichkeit der Täter" von Berlin


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Anis A: "mit hoher Wahrscheinlichkeit der Täter" von Berlin

Wo ist Anis A.? Bisher scheinen die Ermittler in Deutschland erfolglos nach dem Mann zu suchen, den die Behörden als mutmaßlichen Attentäter von Berlin ausgemacht haben. Jetzt hat die Bundesregierung bestätigt: Fingerabdrücke des Gesuchten wurden auf dem LKW gefunden, der am Montag in einen Weihnachtsmarkt gerast war und elf Menschen das Leben kostete.

Gestern hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière noch abgelehnt, Spekulationen und Medienberichte über Anis A. zu bestätigen oder zu dementieren – mutmaßlich aus ermittlungstaktischen Gründen. Am Donnerstagnachmittag, nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Justizminister Heiko Maas im Bundeskriminalamt, bestätigte de Maizière dann zumindest das Gerücht, das Fingerabdrücke des gesuchten Anis A. auf dem Lastwagen gefunden wurden. Anis A., so de Maizière, sei mit hoher Wahrscheinlichkeit der Täter.

In Nordrhein-Westfalen und in Berlin fanden in der Nacht zum Donnerstag Hausdurchsuchungen statt, unter anderem in einem Flüchtingsheim in Emmerich am Rhein. In Baden-Württemberg wurde ein Reisebus durchsucht. Deutsche Medien berichteten zunächst, es habe auch Festnahmen gegeben. Das dementierte eine Sprecherin des Generalbundesanwalts in Karlsruhe.

Inzwischen wird deutlich, dass der 24-jährige Tunesier den Behörden bereits vor der Tat aufgefallen war, trotz umfangreicher Überwachung wurden jedoch keine ausreichenden Schritte gegen ihn unternommen. Die Sicherheitsbehörden tauschten ihre Erkenntnisse über A. nach Worten von Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger im Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum in Berlin aus, zuletzt im November 2016. Offenbar gab es aber nicht genügend Anhaltspunkte, um die umfangreiche Überwachung fortzusetzen. Auch eine Abschiebung scheiterte, weil Dokumente von Anis A. fehlten.

Anis A. soll Kontakte zu radikalen Islamisten gehabt haben. Schon als Schüler soll er außerdem gewalttätig gewesen sein, berichtet die italienische Zeitung La Stampa. Demnach war der Verdächtige 2011 für kurze Zeit an einer Schule auf Sizilien, wo er Eigentumsdelikte und Körperverletzung begangen haben soll. Auch soll er versucht haben, die Schule anzuzünden. In seiner Heimat Tunesien soll A. ebenfalls straffällig geworden sein. Das Land hat Innenminister Jäger zufolge lange bestritten, dass A. tunesischer Staatsbürger sei.

Familie fassungslos

In Tunesien zeigte sich die Familie des Gesuchten fassungslos. Die Zeitung Al-Chourouk berichtet, die Familie habe ausgesagt, sie habe keinen regelmäßigen Kontakt zu A., seit dieser das Haus 2010 verlassen habe. “Ich bin wie jeder Tunesier schockiert”, sagte ein Bruder von Anis A. “Als die Polizei zu meiner Mutter kam, wussten wir, dass es um meinen Bruder Anis geht.”

Auf die Spur des mutmaßlichen Täters waren die Behörden durch ein Duldungspapier für Anis A. gekommen. Es wurde in dem LKW gefunden, mit dem der Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt begangen worden war. Zuvor war ein Pakistaner als festgenommen worden, den Zeugen als Tatverdächtigen gemeldet hatten. Er wurde nach kurzer Zeit wieder freigelassen, weil die Vorwürfe nicht haltbar waren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte im Bundeskriminalamt die besonnene Reaktion der Deutschen nach dem Anschlag. Unter Politikern haben die Ereignisse unterdessen wieder eine Diskussion über die Sicherheitspolitik ausgelöst. Obwohl der Gesuchte behördlich bekannt war, fordern vor allem konservative Politiker mehr Überwachungsmöglichkeiten und Änderungen in der Einwanderungspolitik.