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Einzeltäter oder Netzwerk? - Ermittler setzen Arbeit zum Fall Amri fort

Nach dem Tod des mutmaßlichen Attentäters von Berlin wird weiter ermittelt. Handelte er alleine? Wie floh er? Was ist mit der Waffe?

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Einzeltäter oder Netzwerk? - Ermittler setzen Arbeit zum Fall Amri fort

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Nach dem Tod des mutmaßlichen Attentäters von Berlin, Anis Amri, in Mailand gehen die Ermittlungen weiter. Unklar ist unter anderem, ob der 24-jährige Tunesier ein Einzeltäter war oder ob er Unterstützer hatte.

In einem Video, das vom IS-Sprachrohr Amak veröffentlicht wurde, schwört Amri dem IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi die Treue. Das Video könnte in Berlin aufgenommen worden sein. Eine offizielle Bestätigung, dass es echt ist, gibt es bisher nicht.

Die Fluchtroute des Attentäters verläuft offenbar von Berlin über Frankfurt und Paris nach Chambéry. Von dort fuhr er laut italienischer Polizei mit dem Zug über Turin nach Mailand.

Den Fluchtweg nachzuvollziehen, sei von zentraler Bedeutung, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank. Dazu stehe man in Kontakt mit den italienischen Behörden. “Für uns ist vor allem auch von Interesse, ob die Waffe, die bei Anis Amri in Mailand gefunden wurde, die Tatwaffe von Berlin ist”, so Frank. Die Ermittlungen gingen mit hoher Intensität weiter.

Amri kannte Italien. 2011 kam er als Bootsflüchtling von Tunesien nach Lampedusa und saß unter anderem wegen Brandstiftung in einer Flüchtlingsunterkunft auf Sizilien mehrere Jahre in Haft.

In Amris tunesischen Heimatdorf Oueslatia stellt sich seine Familie viele Fragen:

“Erst habe ich gesagt, dass wir ihn verstoßen, aber warum musste man ihn töten?”, fragt sein Bruder Abdelkader Amri. “Die deutschen Medien sagen, er sei ein Sündenbock gewesen. Er war ein Verdächtiger. Sie hätten ihn befragen sollen, aber nicht töten.”

Dafür, dass Amri tatsächlich der Attentäter ist, spricht unter anderem, dass seine Fingerabdrücke im Fahrerhaus des Lastwagens sichergestellt wurden, der am Montagabend in die Menschenmenge auf dem Berliner Weihnachtsmarkt gerast ist.