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Die Angst des nach dem Anschlag von Berlin zu Unrecht Verdächtigten Naveed B.

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Die Angst des nach dem Anschlag von Berlin zu Unrecht Verdächtigten Naveed B.

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Naveed B. ist der junge Mann, der nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz zunächst als mutmaßlicher Attentäter festgenommen war. Es dauerte mehrere Tage bis feststand, dass der 24-Jährige aus Pakistan mit dem LKW-Angriff nichts zu tun hat. Doch Naveed fürchtet in Deutschland weiter um sein Leben, und er möchte seinen neuen Aufenthaltsort lieber geheimhalten.
Dem brititischen Guardian hat der 24-Jährige ein Exklusivinterview gegeben, in dem er sich über die Berliner Polizei beklagt und schildert, wie rabiat mit ihm umgegangen worden sei, nachdem er sich dagegen gewehrt habe, dass er entkleidet und dann fotografiert worden sei. Die Polizei habe ihn auch geschlagen. Naveed bezeichnet sich selbst als gläubigen Muslim.

Die Kommunikation scheiterte laut “Guardian” daran, dass die Berliner Polizei auch nach Tagen keinen Übersetzer für Naveeds belutschische Muttersprache organisieren konnte. Offenbar spricht er nur schlecht Urdu und Punjabi.

Zwei Tage lang habe er nur kalten Tee und Kekse bekommen. Jetzt sei er in einem Hotel untergebracht worden, da es gefährlich sei, in seine Asylunterkunft zurückzugehen. Wenn er rausgehen wolle, müsse Naveed der Polizei Bescheid sagen.

Angst hat Naveed – laut Guardian – vor allem, da auch seine Familie in Pakistan in Gefahr sei, weil dort über die Beschuldigungen gegen ihn berichtet worden sei. Auch die deutsche Polizei hat Naveed offenbar vor eventuellen Angriffen anderer Pakistaner gegen ihn gewarnt.

Naveed B. war mit Hilfe von Schleppern als Asylbewerber nach Deutschland gekommen, weil er einer Gruppe angehörte, die für die Unabhängigkeit der Region Belutschistan von Pakistan kämpft und deren Mitglieder verfolgt werden. Er war dann über den Iran, die Türkei und Griechenland nach Deutschland geflohen und kam im Februar 2016 in München an. Über Deutschland weiß Naveed den Informationen des “Guardian” zufolge nur sehr wenig. Er wolle gerne arbeiten und die Sprache lernen.