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Peking versucht, Trumps China-Böller zu entschärfen

Wie geht es weiter mit den USA und China?

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Peking versucht, Trumps China-Böller zu entschärfen

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Wie geht es weiter mit den USA und China? Viele malen schon einen Handelskrieg an die Wand (“Focus”, “Stuttgarter Zeitung“Deutsche Wirtschafts Nachrichten”, “Badische Zeitung”), der künftige US-Präsident Donald Trump scheint geeignete Kombattanten in sein Team zu holen wie jüngst den scharfen Kritiker der Handelsstrategien Chinas Robert Lighthizer (künftig Handelsbeauftrager der US-Regierung) oder Peter Navarro (Chef des neu gegründeten Industrie- und Handelssekretariats im Wirtschaftsministerium), profiliert durch einen Film namens “Die Welt im chinesischen Würgegriff” (“Death by China”).

Chinas neuste Gegenstrategie: Gutes Zureden.

Geng Shuang, Sprecher des chinesischen Außenministeriums:

“Nach Jahren der Entwicklung haben China und die Vereinigten Staaten tatsächlich Interessen entwickelt, die miteinander verflochten sind. Was die Probleme in den Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen China und den USA angeht, sollten beide Seiten auf der Grundlage von gegenseitigem Respekt und Gleichbehandlung angemessene Lösungen anstreben.”

Im Wahlkampf hatte Trump unter anderem angekündigt, er denke über die Verhängung von saftigen Strafzöllen auf chinesische Import-Güter in die USA nach. Außerdem will er China als chronischen Währungsmanipulator an den Pranger stellen. USA-Experte Thomas Jäger, Universität Köln: “Die Zeiten des Stillhaltens gegenüber China scheinen vorbei zu sein und es sieht so aus, als ob China stärker unter Druck gerät. Die USA sind bereit, ihre Russland-Politik völlig neu zu gestalten und Russland als Verbündeten gegen China zu gewinnen.”

Viele Experten sind sich einig, dass die chinesische Führung auf ein Wirtschaftswachstum von mehr als sechs Prozent angewiesen ist, um ihre Bevölkerung bei Laune zu halten und den sozialen Frieden aufrechtzuerhalten. 2015 rutschte das Wachstum auf 6,9 Prozent ab, für 2016 wird mit etwa 6,5 Prozent gerechnet.

Andererseits sitzen die Chinesen noch immer auf US-Staatsanleihen im Wert von mehr als einer Billion Dollar, aufgehäuft durch chronische Exportüberschüsse im Handel mit den USA seit einem Vierteljahrhundert. „Chinas große Waffe ist der mögliche Abverkauf der US-Anleihen“, so Alan Ruskin, Devisenstratege der Deutschen Bank in New York.
Wirft China US-Staatsanleihen in Massen auf den Markt, sinkt deren Kurs. Die Renditen steigen und die Zinsen explodieren, die Trump für künftige Anleihen zahlen müsste. Das würde sein geplantes Infrastrukturprogramm erheblich verteuern.

Und schon Mitte Dezember warnte Vize-Finanzminister Zhu Guangyao vor dem Spiel mit dem Feuer: “China wird geeignete Schritte unternehmen, um einen möglichen Handelskrieg mit den Vereinigten Staaten zu bewältigen.”

Sigrid Ulrich mit Reuters