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Bosnische Serben zelebrieren "Nationalfeiertag"

Uniformierte und Folkloregruppen marschierten durch die Serbenhochburg Banja Luka.

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Bosnische Serben zelebrieren "Nationalfeiertag"

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Bosnische Serben haben ihren vom Verfassungsgericht Bosnien-Herzegowinas als illegal eingestuften “Nationalfeiertag” zelebriert. Uniformierte und Folkloregruppen marschierten während einer Parade durch die Serbenhochburg Banja Luka.

Der bosnische Serbenführer Milorad Dodik hatte vor rund zwei Wochen ein Referendum über die Abspaltung seiner Landeshälfte von Bosnien-Herzegowina noch in diesem Jahr angekündigt:“Die Republik Srpska bleibt standhaft bei ihrer Entscheidung, ihren Status gemäß des Abkommens von Dayton zu schützen. Wenn das nicht funktioniert, kann uns niemand zwingen, ein Teil dieses Landes zu bleiben.”

Dodik sagte weiter, die Republik Srpska werde ihre Identität und ihren Staat nicht aufgeben. Die Republik Srpska war von bosnischen Serben am 9. Januar 1992, drei Monate vor Beginn des bosnischen Bürgerkriegs, ausgerufen worden. Nach dem Kriegsende 1995 wurde sie zu einer Teilrepublik von Bosnien-Herzegowina.

Serbische Einheiten hatten im Juli 1995 die UN-Schutzzone Srebrenica überrannt und rund 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet. Die Vizepräsidentin der Organisation “Mütter von Srebrenica”, die Angehörige der Opfer vertritt, beklagte: “Diejenigen, die den neunten Januar feiern, haben kein Schamgefühl und zeigen keine Reue”, so Kada Hotic. “Sie sind sogar stolz auf das, was sie getan haben. Ich bin ohne meine Liebsten in Srebrenica geblieben, ohne all die männlichen Mitglieder meiner Familie, ohne meine Nachbarschaft, ohne Arbeit.”

Bosnien ist seit Jahrzehnten durch den Dauerstreit der muslimischen Bosniaken, der orthodoxen Serben und der katholischen Kroaten blockiert. Die knappe Mehrheit der Bosniaken strebt einen Einheitsstaat, die Serben die Abspaltung und die Kroaten eine größere Autonomie an.