Eilmeldung

Eilmeldung

Mit 55 in Rente: Was macht Obama danach?

Bücher schreiben, schlafen, reisen - der scheidende US-Präsident hat große Pläne...

Sie lesen gerade:

Mit 55 in Rente: Was macht Obama danach?

Schriftgrösse Aa Aa

Mit 55 wird Barack Obama einer der jüngsten Ex-Präsidenten der USA sein, wenn er am 20. Januar sein Büro verlässt. Was hat er für Pläne?

Üblicherweise verlassen die scheidenden US-Präsidenten Washington, D.C. sofort nach der Amtseinführung ihres Nachfolgers und mischen sich nicht mehr allzu viel in die Politik ein.

Gelegentlich wirkte das wie eine Flucht aus einer Stadt, in der sich einige Bewohner des Weißen Hauses nicht gerade gut behandelt fühlten. Dies gilt insbesondere für Ex-Präsidenten, die schon nach einer einzigen Amtszeit gingen, wie zum Beispiel George Bush oder Jimmy Carter.

Andere waren so wenig beliebt, dass sie nie wieder (Lyndon Johnson) oder nur selten (George W. Bush) zurück nach Washington kamen. Wieder andere waren so froh, in Rente gehen zu können, dass es sie nicht allzu sehr in die Hauptstadt zurückzog – wie Harry Truman oder Ronald Reagan.

Bei Obama, einem der beliebtesten scheidenden Präsidenten der jüngeren Geschichte, wird es anders sein. In Interviews ließ der erste afroamerikanische Staatschef der USA durchblicken, was er mit dem Rest seines Lebens vorhat – bis hin zum Witzchen, dass er über einen Job als Uber-Fahrer nachdenke…

Keineswegs der einzige Witz über Obamas Rentenzeit. Das Weiße Haus produzierte ein launiges Abschiedsvideo, “Couch Commander”, mit Vizepräsident Joe Biden, Michelle Obama und Obamas republikanischem Gegenspieler John Boehner.



Obama tritt da in die Fußstapfen des vorigen Präsidenten der Demokraten, Bill Clinton, der sich mit “The Final Days” verabschiedete.




Die Obamas bleiben in Washington


Aber was nun wirklich? Zunächst einmal werden der Ex-Präsident und seine Familie nach der Vereidigung von Donald Trump in Washington bleiben, auch wenn Obama vielleicht für eine kleine Pause die Stadt verlässt. Seine Absichten für den 21. Januar seien Schlafen und ein netter Urlaub mit seiner Frau, sagte er einem Interviewer.



Ein Grund, warum die Familie in der Stadt bleibt, ist, dass sie ihrer jüngeren Tochter Sasha (15) einen High-School-Wechsel in den letzen zwei Jahren vor dem Abschluss ersparen wollen. Die ältere Tochter Malia (18) hat den Abschluss schon in der Tasche.

So werden die Obamas voraussichtlich wenigstens zwei Jahre in Washington, D.C. bleiben und sich dort in einer luxuriösen Villa in Kalorama wenige Kilometer vom Oval Office entfernt einquartieren. Damit dürfte Barack Obama der erste US-Präsident seit Woodrow Wilson 1921 sein, der nach seiner Amtszeit im District of Columbia bleibt.



In Kalorama finden sich viele Botschaften und Botschafteresidenzen, die Sicherheitsvorkehrungen sind also schon hoch genug für die neuen Bewohner. Dass Obama in Washington bleiben will, beflügelte Spekulationen über ein weiteres politisches Engagement, vor allem nach einer Rede, in der er jüngst versuchte, seine Anhänger nach der Demokraten-Niederlage im November zu trösten: Er bereite sich auf seine ja noch viel wichtigere Rolle als Bürger vor, und sie könnten sicher sein, dass er sich jeden Moment an ihrer Seite dafür einsetzen werde, dass die Gründungsprinzipien des Landes auch eingehalten würden: Dass alle gleich sind und jeder das Recht hat, seinen Traum auch zu leben.


Training für Nachwuchspolitiker und junge Talente


Obama sieht eine Aufgabe für sich selbst darin, die Demokratische Partei voranzubringen, indem er künftige Politiker schult. Er wolle eine ganze Generation neuer Talente entwickeln, sagte er dem National Public Radio.

Etliche von Obamas Errungenschaften, ob die Gesundheitsreform “Obamacare” oder die Umweltpolitik, dürften von seinem Nachfolger ausgehebelt werden. Der scheidende Präsident will dem aber nicht tatenlos zusehen. Schon bevor Trump den unerwarteten Sieg errang, nannte Obama Themen, die er weiterhin mit erfahrenen Demokraten und ehemaligen Regierungsmitgliedern angehen wolle. Er will sich dem neuen National Democratic Redistricting Committee anschließen, das sich mit der Reform der Wahlbezirke befasst und den Einfluss der Demokraten stärken will. Es soll Kampagnen-Strategien ausarbeiten und Gelder dafür eintreiben.

Obwohl Obama durchblicken ließ, dass er eher hinter den Kulissen arbeiten wolle, hat er es nicht ausgeschlossen, gelegentlich öffentlich zum politischen Tagesgeschäft Stellung zu nehmen – anders als sein Vorgänger George W. Bush.


Mal wieder ein Buch schreiben


Wenn er dazu Zeit findet. Denn in einem Interview gab er auch zu verstehen, dass er ein neues Buch schreiben wolle. Sein erstes Werk, die Autobiografie “Dreams from My Father: A Story of Race and Inheritance” (deutsch: Ein amerikanischer Traum. Die Geschichte meiner Familie) erschien 1995. 2006 folgte “The Audacity of Hope: Thoughts on Reclaiming the American Dream” (deutsch: Hoffnung wagen: Gedanken zur Rückbesinnung auf den American Dream), als er schon im US-Senat saß, und 2010, als Präsident, veröffentlichte Obama das Kinderbuch “Of Thee I Sing: A Letter to My Daughters” (deutsch: Von euch will ich singen: Ein Brief an meine Töchter).

Bücher zu schreiben, ist für Alt-Präsidenten üblich. Bill Clinton veröffentlichte seine Autobiografie, “My Life”, (deutsch: Mein Leben), George W. Bush folgte mit Decision Points. Ob Truman, Eisenhower, Nixon oder Carter – alle schrieben über ihre Zeit im Weißen Haus.

Wie viel Obama mit seinen Memoiren verdienen könnte, darum ranken sich wilde Spekulationen. Literaturagent Raphael Sagalyn schätzte jüngst Obamas mögliche Einnahmen auf rund 30 Millionen Dollar: Sagalyn zufolge könnten es die vielleicht wertvollsten Präsidenten-Memoiren werden – so wie auch die Memoiren der Ex-First Lady Michelle Obama…