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Akbar Haschemi Rafsandschani - Die Biografie


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Akbar Haschemi Rafsandschani - Die Biografie

In westlichen Staaten galt er als gemäßigter Reformator. Für einen Teil der Iraner war Akbar Haschemi Rafsandschani der Schüler von Ajatollah Chomeini, dem Gründer der islamischen Republik. Rafsandschani starb am Sonntag 82-jährig an Herzversagen in einer Teheraner Klinik.

Präsident des iranischen Parlaments seit 1980, wird er 1988 von Chomeini zum Oberbefehlshaber der iranischen Armee ernannt. In dieser Funktion erzwingt er nach acht Jahren Iran-Irak-Krieg den Waffenstillstand.

Nach dem Tod des Ajatollah wird Rafsandschani 1989 zum Präsidenten der Republik gewählt. Er bleibt bis 1997 im Amt. Sein Programm ist eine Mischung aus Offenheit und Reformen. Er plädiert für die Annäherung an den Westen unter Einbeziehung des US-amerikanischen “großen Satans”.

Als er 1997 nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren kann, unterstützt Rafsandschani mit Mohammad Chatami einen weiteren Reformer, der bis 2005 gewählt wird. Mit seiner Unterstützung für Chatami und den Reformkurs im Land verärgert er die Hardliner und den erzkonservativen Klerus im Iran immer mehr.

Im Jahr 2005 versucht Rafsandschāni in der Präsidentschaftswahl Mohammad Chatamī nachzufolgen. Nach seiner Niederlage in der Stichwahl gegen den politischen Nobody Mahmud Ahmadinedschad scheint seine politische Karriere beendet zu sein. Rafsandschani distanziert sich auch immer mehr vom Klerus und nimmt gleichzeitig den Kampf gegen die Hardliner und besonders gegen Ahmadinedschad auf.

Wegen seiner Kritik an der angeblichen Wahlfälschung bei der Wiederwahl Ahmadinedschads 2009 gerät Rafsandschani endgültig ins politische Abseits und wird von den Hardlinern offiziell als
Dissident gebrandmarkt. Noch im selben jahr brechen Nachwahldemonstrationen aus. Der Aufstand, auch “Twitter-Revolution” genannt, zielt gegen die Wiederwahl von Ahmadinedschad. Die Behörden unterdrücken die Proteste gewaltsam. 150 Menschen kommen ums Leben.

Direkt nach der verlorenen Wahl wird Rafsandschāni erneut zum Vorsitzenden des Schlichtungsrates ernannt. Eine Position, die Rafsandschāni bereits seit 1989 bekleidet. Er kritisiert Ahmadinedschad scharf für dessen Umgang mit dem Aufstand und seine Politik im Allgemeinen, speziell aber gegenüber dem Westen. Damit stärkt Rafsandschani seine Position als Symbolfigur der gemäßigten Reformer.

Vier Jahre später wird Rafsandschani erneut zum Präsidentenmacher, weil er selbst aus Altersgründen nicht mehr kandidieren darf. Der aktuelle Präsident Hassan Ruhani gewinnt die Wahl 2013.

Maria Sarsalari, euronews:

“Akbar Haschemi Rafsandschani, der frühere iranische Präsident und Vorsitzende des Schlichtungsrates, blieb ein politisches Schwergewicht in der islamischen Republik. Und das, obwohl er von Hardlinern in die politische Isolation gezwungen wurde.
Nun spreche ich mit Achmad Salamatian, der uns aus dem Pariser euronews Studio zugeschaltet ist. Er ist politischer Analyst, Journalist und war früher Abgeordneter des iranischen Parlaments.
Die nächste Präsidentschaftswahl im Iran findet in diesem Mai statt. Welchen Einfluss wird Rafsandschanis Tod auf den Wahlkampf haben?”

Ahmad Salamatian, politischer Analyst:

“Rafsandschani war einer der Hauptunterstützer Ruhanis. Einige in der islamischen Republik gingen sogar soweit, Ruhani als einen jungen Rafsandschani zu bezeichnen. Deshalb können wir wohl davon ausgehen, dass die Unterstützer Rafsandschanis nun geschlossen hinter Ruhani stehen. Rafsandschanis Tod ist zwar ein unglückliches Ereignis, das jedoch keine negativen Konsequenzen für Ruhani haben wird. Es entsteht derzeit ein politischer Konsens, der die Unterstützung für Ruhani weiter festigen wird.”

euronews:

“Rafsandschani spielte eine wichtige Rolle, als der Expertenrat Ali Chamenei 1989 an die Macht wählte. Es trennten sich die Wege der beiden früheren Freunde.
Sie waren Abgeordneter, als Chamenei und Rafsandschani sich für die Revolution engagierten. Welche Auswirkung wird Rafsandschanis Tod auf Ali Chameneis Position haben?”

Salamatian:

“Da es Gerüchte über Chameneis Gesundheitszustand gab, warteten alle, welche Rolle Rafsandschani übernehmen wollte, sollte Chamenei nicht mehr da sein. Doch das Schicksal sah das Gegenteil vor.
Falls es im Expertenrat bald um den Nachfolger von Chamenei geht, wird das Ergebnis vom allgemeinen Mächteverhältnis zwischen den gewählten Institutionen auf der einen und Militär sowie Sicherheitskräften auf der anderen Seite abhängen. Eine Rolle werden auch die internationalen Spannungen im Umfeld des Irans spielen.”

euronews:

“Viele sind bereits beunruhigt, ob die Trump-Präsidentschaft etwas an den Annäherungen zwischen den USA und dem Iran verändern könnte.
Verschlechtert Rafsandschanis Tod die politischen Aussichten noch weiter?”

Salamatian:

“Die Abwesenheit von Rafsandschani wird Chamenei zwischen die Fronten der innenpolitischen und internationalen Kräfte zwingen. Dort wird er allein stehen. Möglich ist, dass Chamenei künftig die ausgleichende Rolle übernimmt, die Rafsandschani hatte, und von der sich Chameneis radikalere Positionen früher abhoben.”