Eilmeldung

Sie lesen gerade:

Soares: Portugal verliert einen Staatsmann


Portugal

Soares: Portugal verliert einen Staatsmann

Kein anderer Politiker verkörpert die jüngere Geschichte Portugals so sehr wie er – Mário Soares. Vier jahrzehntelang drückte er dem Land seinen Stempel auf.

April 1974: Kurz nach der Nelkenrevolution kehrt der Sozialist in seine Heimat zurück. Er musste aus politischen Gründen fliehen. Unter Diktator Salazar wurde Soares zwölf Mal inhaftiert. Nach seiner Rückkehr aus dem französischen Exil wird Soares zur Schlüsselfigur der entstehenden Demokratie.

Er ist Mitglied der ersten vorläufigen Regierung und Architekt der neuen Verfassung. 1976 wird er bei den ersten demokratischen Wahlen seines Landes zum Ministerpräsidenten bestimmt.

Mário Soares wird 1924 in Lissabon geboren. Als Anwalt verteidigt er die Gegner der Diktatur.
Mit Schauspielerin Maria Barroso hat er zwei Kinder.

Die Liste seiner politischen Ämter ist beeindruckend: Er wird Außenminister, Ministerpräsident, zwei Mal Präsident und später Abgeordneter im EU-Parlament. Soares ebnet den Weg, damit Portugal 1986 der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft beitreten kann.

Nach seiner ersten Amtszeit als Präsident wird er 1991 für fünf Jahre wiedergewählt. Sein politisches Ansehen geht weit über die Grenzen Portugals hinaus. Er erhält Dutzende Preise, wie den europäischen Robert Schumann-Preis.

2006 nimmt der 81-Jährige einen neuen Anlauf, um Präsident zu werden. Diesmal ohne Erfolg. Aber Soares gilt weiter als politische Autorität.

Er ist ein ausgesprochener Gegner der Sparmaßnahmen der portugiesischen Mitte-rechts-Regierung. In einem Interview mit euronews sagt er 2011, “es ist eine Tragödie, welchen Einfluss die Wirtschaft auf ein Land oder eine Gruppe von Staaten hat. Ich glaube, die Europäische Union macht derzeit die größte Krise ihrer Geschichte durch. Jeder muss doch einsehen, dass Europa keine Zukunft hat, wenn wir keine Kursänderung vornehmen.”

Bis zuletzt engagiert sich Soares für demokratische Werte. Wie im Januar 2015, als er sich vor dem Rathaus von Lissabon an einer Schweigeminute für die Opfer des Anschlags auf das Satiremagazin Charlie Hebdo beteiligt.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

Großbritannien

Nach Golden Globes Erfolg: "La La Land" elfmal für britischen Flimpreis nominiert