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Mitreißend und aktuell: Barockmusik auf dem Festival in Malta


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Mitreißend und aktuell: Barockmusik auf dem Festival in Malta

Malta, die Felseninsel, feiert das fünfte internationale Barockfestival in Valletta. Genau der richtige Ort, die Grundfesten der maltesischen Hauptstadt wurden zu Beginn der Barockära, im 16. Jahrhundert errichtet. Diese ganz besondere Beziehung galt es zu ehren, wie Festivaldirektor Kenneth Zammit Tabona erläutert .

“Was genau ist Barock? Angeblich ein Teil unserer DNA und überall zu finden. Wir sind eine Barocknation, wir haben eine Barockhauptstadt, in unseren Städten und Dörfern stehen Barockkirchen und allerlei architektonische Barockmeisterwerke, aber wir hatten das nie in Musik umgesetzt. Vor zehn Jahren gab es Bach, Vivaldi, Händel und vielleicht Scarlatti, aber wo war der Rest? Wir sind im Grunde immer noch auf einer großen Reise der Wiederentdeckung.”

Eröffnet wurde das Festival in der Ta’ Giezu Kirche vom italienischen Ensemble Concerto de’ Cavalieri , das in Italien einen exzellenten Ruf genießt. Die Musik sei auch 400 Jahre nach ihrer Entstehung ausgesprochen modern, erklärt Ensemble-Leiter Marcello Di Lisa. “Barockmusik ähnelt im Gegensatz zu romantischer Musik viel mehr unserem aktuellen Befinden. Denn in der Barockära veränderten sich die ästhetischen Referenzen. Das Leben in seiner ganzen Größe wurde gefeiert, es galt, das Publikum zu überraschen. Wenn wir diese Musik heute spielen, klingt sie sehr zeitgenössisch für uns.”

Anfangs der Elite vorbehalten, verbreitete sich Barockmusik ab dem 18. Jahrhundert und brachte etwa in Frankreich eine vielfältige Theaterkultur für alle sozialen Schichten hervor, wie das beliebte Puppentheater. Dass es dabei deftig zur Sache ging, zeigt das Centre de Musique Baroque de Versailles mit einer Parodie von “Atys”, einer Tragédie lyrique von Jean-Baptiste Lully und Philippe Quinault.

Jean-Philippe Desrousseaux: “Es war die Muppet-Show dieser Epoche, weil man sich nicht nur über Komponisten und Werke lustig machte, sondern auch über das gesamte Pariser Theater- und Musikmilieu, das Künstlerleben an sich. Alles wurde durch den Kakao gezogen. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden alte Frauen oder lächerliche Frauen traditionell von Männern gespielt. Molière hat das oft in seinen Stücken getan. Er ließ alte oder eingebildete Frauen von Männern in Frauenkleidern darstellen. “

Ein weiteres Highlight: Marc-Antoine Charpentiers “Te Deum” gespielt vom Lyoner Orchester Correspondances in der beeindruckenden St. John’s Kokathedrale. Die Melodie ist heute als Eurovisionshymne weltbekannt.

Was Barockmusik so anziehend und mitreißend macht, erläutert Sébastien Daucé, der Leiter des Orchesters. “Es war das Ende Epoche einer komplexen politischen und religiösen Ära. Stellen Sie sich vor, Sie leben in Nahen Osten, in einem völlig zerstörten Umfeld – und es entsteht etwas Neues, ein neues Genre und neue Harmonien. Es war eine Musik, die dem Publikum gefallen wollte. Und vielleicht spricht uns diese Musik deswegen auch heute auf einfache und direkte Weise an, mehr als romantische Komponisten, die mehr in der intellektuellen Auseinandersetzung waren. Barockmusik hat etwas ausgesprochen Direktes.”

Das Barockfestival in Valletta hat sich in kurzer Zeit zu einem der wichtigsten Kulturevents Maltas entwickelt – mit stattlichen Besucherzahlen.

Wolfgang Spindler, euronews: “Mit seinen vielen beeindruckenden Barockgebäuden ist diese Stadt ideal, um die Vielfalt der Barockmusik einem breiten Publikum vorzustellen.”

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