Eilmeldung

Im Nordwestirak versuchen viele Menschen weiter, der IS-Miliz zu entkommen. Sie fliehen in kurdische Gebiete in Nordostsyrien. Hunderte Menschen haben die Grenze westlich des Distrikts Sindschar in den vergangenen Tagen überquert. Kurdische Sicherheitskräfte überprüfen die Einreise. Fatima Ibrahim Khalaf ist eine der Flüchtlinge: “Wir haben die Schießereien und die IS-Milizen nicht mehr ausgehalten. Sie haben einfach alles mitgenommen: Autos, die Zigaretten transportieren, Autos mit Menschen, Geld von der Regierung. Von den Menschen nehmen sie Steuern. Die Leute hatten Hunger, aber es gab keine Hilfe.”

Die Flüchtlinge werden ins Lager Al Hawl gebracht, in dem bereits Tausende Menschen leben. Viele sind nach einer beschwerlichen Reise erschöpft, so auch Khaked Khalas Inat: “Es war hart, hierher zu kommen, wie Folter. Wir mussten weite Strecken laufen und den Schleppern Geld geben, damit sie uns hierher bringen. Wir haben sehr gelitten, bevor wir hier ankamen.”

Die meisten der Menschen in Al-Hawl kommen aus Tal Afar. Der westlich von Mossul gelegene Distrikt wird immer noch von der IS-Miliz
beherrscht.

Auch in Syrien treiben die Islamisten die Bewohner in die Flucht. Viele suchen Schutz in Orten wie Safira, die von der Regierung kontrolliert werden. Elham Saleh kommt aus dem 30 Kilometer entfernten Ort Deir Hafer. Sie und ihr vier Jahre alter Sohn leben nach einer komplizierten Flucht seit zwei Wochen in der Stadt. Um zu überleben, verkauft Saleh Luffaschwämme. Sie hat Schleppern umgerechnet etwa 280 Dollar bezahlt, denn zu Hause hat sie es nicht mehr ausgehalten. Saleh: “Ich war in Deir Hafer verheiratet, aber mein Mann hat sich der IS-Miliz angeschlossen, deswegen wollte ich weg von ihm. Frauen waren nichts wert und mussten ihre Gesichter verschleiern.”

Auch Samia al-Moussa ist vor dem Terror geflohen. Ihr Mann hat nicht überlebt. Al-Moussa berichtet, dass Augenzeugen ihr erzählt hätten, er sei von der IS-Miliz geköpft worden. Erst zwei Jahre später konnte sie mit ihren sechs Kindern und dem Bruder ihres Mannes fliehen. Al-Moussa: “Wir waren zu Hause, es war etwa elf Uhr abends, als ein Auto kam. Sie haben den Namen meines Mannes gerufen und dass er mitkommen soll. Als wir gefragt haben wohin, sagten sie, das würde uns nichts angehen. Er ist mitgegangen und wir haben ihn nie wieder gesehen.”

Der Bruder des Toten, Nafeh al-Moussa, berichtet: “Bevor sie ihn hingerichtet haben, hat er den IS-Milizen gesagt, dass sie Ungläubige sind und nichts mit dem Islam zu tun haben. Sie haben keinen Glauben. Sie haben behauptet, mein Bruder würde als Agent für die Regierung arbeiten.”

Obwohl die IS-Miliz vielerorts zurückgedrängt wurde, hält sie in Nordsyrien immer noch Gebiete. Tausende Familien sind auf der Flucht.