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Nach Protest: Polanski verzichtet auf Filmpreis-Leitung


Frankreich

Nach Protest: Polanski verzichtet auf Filmpreis-Leitung

Regisseur Roman Polanski verzichtet darauf, die Vergabezeremonie der französischen Filmpreise César zu leiten. Feministische Organisationen und die französische Frauenministerin hatten die Nominierung Polanskis wegen Vergewaltigungsvorwürfen gegen den 83-Jährigen kritisiert. Die US-Justiz wirft Polanski, vor 40 Jahren eine 13-Jährige missbraucht zu haben. Polanskis Anwalt gab bekannt, die Kampagne gegen die Präsidentschaft bei den César habe den Regisseur “tieftraurig gemacht”. Die Debatte sei “ungerechtfertigt” und sei von “völlig falschen Informationen genährt worden”.

Auf einer Petition gegen Polanskis Nominierung waren 61.000 Unterschriften zusammengekommen. Für Mittwoch war eine Demonstration vor dem Pariser Restaurant Fouquet angesagt, wo die Nominierungen für den Filmpreis bekanntgegeben werden. Französische Frauenrechtlerinnen begrüßten die Entscheidung auf Twitter: “Gute Nachricht. Wenn unsere Gesellschaft endlich damit aufhören könnte, sexuelle Gewalt zu leugnen, das wäre toll”, schrieb die Feministin Caroline de Haas.

Auch die französische Kinowelt reagierte. Thierry Fremaux, Direktor der Filmfestspiele von Cannes, war deutlich verhaltener: “Ich habe mit Polanski gesprochen und ich denke, es ist nicht nötig, noch mehr Probleme zu machen”, so Fremaux in einem Interview mit dem Radiosender RTL. “Er ist erschüttert. Man sollte diese Affäre genau kennen, bevor man sie kommentiert. Ich kenne sie, aber ich möchte meine Meinung für mich behalten.”

Polanski war 1978 vor dem Urteilsspruch gegen ihn aus den USA geflohen. Er hatte damals eingeräumt, Sex mit der 13-Jährigen gehabt zu haben, bestritt jedoch die Vergewaltigungsvorwürfe. Zuletzt lehnte die polnische Justiz 2016 einen Auslieferungsantrag gegen den gebürtigen Polen ab. 2009 war er in der Schweiz verhaftet worden und stand acht Monate unter Hausarrest, bis das Land 2010 das Auslieferungsgesuch der USA ablehnte. Polanski lebt derzeit vor allem in Frankreich.

Samantha Geimer, die Betroffene, hatte 2013 gesagt, dass sie dem Regisseur verziehen habe. Sie setzte sich auch mehrfach für eine Einstellung des Verfahrens ein.

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