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Oscars 2017: Mehr Vielfalt, aber auch mehr Substanz?

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Oscars 2017: Mehr Vielfalt, aber auch mehr Substanz?

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In diesem Jahr wurden mehr schwarze Darsteller und Filmschaffende berücksichtigt denn je. Auch das Thema Diskriminierung ist in mehreren Filmen präsent.

Mit sensationellen 14 Nominierungen geht der Musical-Film “La La Land” ins Oscar-Rennen. Das hatten vorher nur zwei Filme erreicht: “Titanic” und “All About Eve”.

Meinung

Wir sehen mehr Geschichten, die das Leben der Menschen von Innen betrachten.

Gil Robertson Präsident der afroamerikanischen Filmkritikervereinigung

Ein weiterer starker Anwärter ist Moonlight mit 8 Nominierungen. Das Besondere an der 98. Oscar-Verleihung: In diesem Jahr wurden mehr schwarze Darsteller berücksichtigt denn je. Auch das Thema Diskriminierung ist mehreren Filmen präsent.

Etwa in “Fences”. Denzel Washington holt mit seinem Rassismusdrama gleich vier Nominierungen, darunter bester Hauptdarsteller und beste Nebendarstellerin für Viola Davis.

“Hidden Figures” über die afroamerikanischen Mathematikerinnen der Nasa erhielt 3 Nominierungen, bester Film, bestes adaptiertes Drehbuch und beste Nebendarstellerin für Octavia Spencer.

Gil Robertson, Präsident der afroamerikanischen Filmkritikervereinigung: “Dass mehrere schwarze Schauspieler und Filmschaffende nominiert wurden, hat eine Bedeutung für die afroamerikanische Gemeinschaft. Vertreter der asiatischen Bevölkerungsgruppe wurden jedoch übergangen, mit Ausnahme von Dev Patel. Latinos, Muslime und Frauen bekommen nicht die Anerkennung oder Chancen, die sie verdient hätten, hinter der Kamera, auf dem Regiestuhl oder beim Schnitt. Es gibt also noch viel zu tun.”

In der Kategorie bester Dokumentarfilm sind zwei Produktionen mit afroamerikanischem Kontext nominiert, “O.J.: Made in America” über das Leben des ehemaligen Football-Stars O.J. Simpson, der des Mordes an seiner Ex-Frau angeklagt wurde. Und “I am not your negro” über den Schriftsteller und Bürgerrechtsaktivisten James Baldwin.

Eine Welle der Empörung über die “weißen” Oscars wird es diesmal nicht geben. In den vergangenen zwei Jahren stand mit dem Twitter-Hashtag #OscarsSoWhite die mangelnde Vielfalt der Nominierten am Pranger.

Darüber hinaus erzählten die ausgewählten Filme starke, universelle Geschichten, meint der Präsident der afroamerikanischen Filmkritikervereinigung.

Gil Robertson: “Wir sehen mehr Geschichten, die das Leben der Menschen von Innen betrachten. In ‘Hidden Figures’ erfahren wir, wie Frauen ganz einfach nach einer Möglichkeit suchen, ihre Kompetenz unter Beweis zu stellen. Das ist ein universelles Thema. In ‘Moonlight’ sehen wir einen jungen Mann, der nicht nur mit seinen eingeschränkten Möglichkeiten, weil er aus einer Familie mit niedrigem Einkommen und Status stammt, klarkommen muss, sondern mit seiner Sexualität. Und auch das ist ein universelles Thema”.

Nach Regisseurinnen sucht man allerdings auch in diesem Jahr vergeblich in den Hauptkategorien Bester Film und Beste Regie. Vielleicht hat ja Maren Ade eine Chance. Ihr “Toni Erdmann” ist als Bester fremdsprachiger Film nominiert.

Die Oscar-Trophäen werden am 26. Februar in Hollywood.