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"Djihad" - Ein Theaterstück trifft genau den richtigen Nerv


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"Djihad" - Ein Theaterstück trifft genau den richtigen Nerv

Den Weg drei junger Belgier in den “Heiligen Krieg” beschreibt “Djihad”, ein Theaterstück, das bei Jugendlichen besonders gut ankommt. Dass er auf so großen Erfolg stoßen würde, hätte der belgisch-marokkanische Regisseur Ismaël Saidi nicht gedacht. Er selbst stammt aus dem Brüsseler Problemviertel Schaerbeek gleich neben dem berüchtigten Molenbeek, das nach den Brüsseler Anschlägen vom Herbst 2015 als “Djihadistennest” um die Welt ging.

Ismaël Saidi: “Wenn man jung ist und Wahrheiten vor den Latz geknallt bekommt, die man bereits kennt, gibt das zu denken. Was mir Sorge macht: Schon als ich das Stück schrieb sollte die Geschichte vor 25 Jahren spielen, also nicht in der aktuellen Zeit und auch speziell junge Leute ansprechen. Und wenn die Medien sagen, ich sei ein Visionär, sage ich: nein, ich lag total daneben. Ich habe über die Vergangenheit geschrieben. Das Schlimme ist, dass es die Leute heute anspricht.”

Vielleicht liegt es am Ton der Tragikkomödie, die genau den richtigen Nerv zu treffen scheint, für Lacher, aber Diskussionen über Religion und Radikalisierung sorgt. Saidis Botschaft ist simpel: Wehret den Anfängen, von Kindesbeinen an.

Ismaël Saidi: “Bei liegt mir die Messlatte ganz unten. In dem Moment, in dem man einer 6-Jährigen den Schleier aufdrängt, haben wir ein Problem. In dem Moment, in dem ich meinem Sohn beibringe, dass ihn Schweinefleisch in die Hölle bringt und mein Sohn Ihren Sohn frequentiert, haben wir ein Problem. Ich schaffe einen Graben zwischen ‘Uns’ und ‘Ihnen’.”

Das Stück macht letztlich auch deutlich, dass die Motivationen für Radikalisierung häufiger persönlicher und seltener politischer Natur sind.

Ismaël Saidi: “Ich habe das Stück geschrieben, um zu sagen, okay, es reicht. Ich möchte nicht, dass meine Kinder dasselbe erleben, wie ich. Ich weiß, was es bedeutet als Kind ausländischer Eltern in einem anderen Land aufzuwachsen, dumme Sprüche, irgendwelchen Blödsinn eines Imams zu hören oder Hassbücher zu lesen. Ich kenne das alles, es muss ein Ende haben.”

Saidi ist mit seiner Truppe quasi ständig auf Tournee, in Belgien und Frankreich, auch in Deutschland gab bereits eine deutschsprachige Erstaufführung.

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