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Ex-VW-Chef Winterkorn nun auch unter Betrugsverdacht


Wirtschaft

Ex-VW-Chef Winterkorn nun auch unter Betrugsverdacht

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun in der Abgasaffäre bei Volkswagen gegen den früheren Konzernchef Martin Winterkorn auch wegen des Verdachtes des Betrugs.

Bisher war Winterkorn lediglich der vorsätzlichen Marktmanipulation verdächtig.

Die bisherigen Ermittlungen insbesondere die Vernehmung von Zeugen und anderen Beschuldigten sowie die Auswertung beschlagnahmter Dokumente hätten Anhaltspunkte ergeben, dass Winterkorn „früher als von ihm öffentlich behauptet Kenntnis von der manipulierenden Software und deren Wirkung gehabt haben könnte“, so die Staatsanwaltschaft Braunschweig – sie ist wegen des VW-Konzernsitzes im benachbarten Wolfsburg zuständig.

Vor dem Bundestagsuntersuchungsausschuss vor einer Woche hatte Winterkorn mit Verweis auf die noch laufenden Ermittlungen die Antwort auf viele Fragen der Ausschussmitglieder verweigert. Grundsätzlich blieb er dabei, dass er nicht frühzeitig über den Abgasbetrug bei VW unterrichtet gewesen sei. „Es ist nicht zu verstehen, warum ich nicht frühzeitig und eindeutig über die Messprobleme aufgeklärt worden bin“, sagte er.

Als eine Art Kronzeugen haben zwei Techniker nach Medienberichten (“SZ”, “NDR” und “WDR”) ausgesagt, sie hätten schon im Juli 2012 einen engen Vertrauten Winterkorns über die in den Diesel-Autos eingebaute illegale Software informiert, genannt “Defeat Device”.

Im Frühjahr 2014 soll dieser Vertraute sogar gesagt haben: “Ich muss mit dem Chef sprechen.” Der Chef in Wolfsburg war Winterkorn. Nach offizieller Darstellung von VW hat er erst im Spätsommer 2015 von den Manipulationen erfahren.

Insgesamt sei die Zahl der Beschuldigten im Dieselverfahren von 21 auf nun 37 gestiegen, so die Staatsanwaltschaft. Um herausfinden, wie weit verbreitet der Betrug bei Volkswagen war und wer alles davon wusste, hatten die Strafverfolger diese Woche 28 Büros und Wohnungen gefilzt.

SCHADENSERSATZ

Nach hohen Zahlungen in den USA – bisher 20 Milliarden Euro – könnte auch Schadenersatz in Deutschland fällig werden, etwa für die vielen Aktionäre, die sich falsch informiert sehen und deshalb Milliardenbeträge einklagen wollen. Je früher Winterkorn von dem Betrug gewusst hätte, desto bessere Chancen hätten diese Aktionäre mit ihren Klagen.

PERSONALIE

Penibel für das VW-Image: Nach nur einem Jahr im Vorstand von Volkswagen gibt Christine Hohmann-Dennhardt, zuständig für Recht und Integrität im Konzern, ihr Amt überraschend Ende Januar auf, laut VW „im gegenseitigen Einvernehmen“.

Twitter-Sarkasmus:

su mit dpa, Reuters

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