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Fillon vermutet gezielte Schmutzkampagne


Frankreich

Fillon vermutet gezielte Schmutzkampagne

Der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon ist unter Beschuss.
Er soll seine Frau Penelope jahrelang zum Schein angestellt haben.

Geld aus der Parlamentskasse
Als parlamentarische Mitarbeiterin soll sie darüber hinaus deutlich mehr Geld aus der Staatskasse erhalten haben als bisher bekannt, von insgesamt 831.000 Euro ist die Rede. Pikantes Detail: Penelope Fillon hatte weder einen Ausweis, noch eine E-Mail-Adresse des Parlaments. Sie habe zu Hause gearbeitet.

Ob das stimmt, müssen nun Ermittler anhand von Arbeitsverträgen, Gehaltsabrechnungen und digitalen Spuren wie E-Mails klären.

Hinter den Negativ-Schlagzeilen steckt die Tageszeitung Canard Enchaîné. Auslöser für die Recherche sei ein Interview Fillons gewesen, in dem er sagte,
“Als ich Senator war, kam es vor, dass ich meine Kinder aufgrund ihrer Kompetenzen mit genauen Missionen betraute. Sie waren Anwälte. Das war und ist rechtmäßig.”

Recherchen der Zeitung ergaben jedoch: Zum Zeitpunkt, als ihr Vater sie beschäftigte, waren die Kinder keineswegs Anwälte, sondern Studenten.
Insgesamt sollen seine Kinder zusammen mehr als 80.000 Euro für ihre Tätigkeiten bei ihm erhalten haben.

In Anspielung auf die konservativen Werte, die der Gegner der Homo-Ehe Fillon vertritt, spotten User auf Twitter: “Kein Zweifel: Die Familie ist heilig!”

Die Negativ-Schlagzeilen reißen nicht ab. Dem Internetportal Mediapart zufolge hat Fillon seit 2012 mehrere börsennotierte Unternehmen beraten. Ein Interessenkonflikt als möglicher neuer Präsident scheint da unvermeidlich.

Verschwörungstheorien
Angesichts der Enthüllungsserie wittert Fillon eine Verschwörung:
“Noch nie wurde in den drei Monaten vor einer Präsidentenwahl solch eine Operation durchgeführt, mit dem Ziel, einen Kandidaten auf undemokratische Weise aus dem Weg zu räumen.”

Diesen Theorien erteilen Journalisten vom Canard eine Absage. Fillon selbst sei der Auslöser der Enthüllungsstory.

Kommt es zum Ermittlungsverfahren?
Nun muss die Justiz schnell entscheiden: Lässt sie die Angelegenheit fallen oder eröffnet sie ein Ermittlungsverfahren?
Letzteres dauert in Frankreich durchschnittlich zweieinhalb Jahre. Präsidentschaftswahlen sind im Mai.
Kann Fillon trotzdem Kandiat bleiben?
Nach außen stehen die Konservativen geschlossen hinter Fillon, hintenrum werden jedoch Alternativen diskutiert.

Wer könnte Fillon ersetzen?
Logischerweise müsste die Wahl auf Alain Juppé, den Zweiten bei den Vorwahlen der Konservativen. Doch seine Gegner Benoît Hamon, Emmanuel Macron und Marine Le Pen sind deutlich jünger als er. Zudem wurde Juppé 2004 wegen einer Scheinbeschäftigung verurteilt.

Stattdessen werden François Barouin, der frühere Wirtschafts- und Finanzminister, und Xavier Bertrand, ehemaliger Arbeitsminister, als mögliche Nachfolger für Fillon gehandelt. In Umfragen ist dieser mittlerweile auf den 2. Platz hinter den sozialistischen Kandidaten Macron gefallen.

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