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"Unsere Menschlichkeit stirbt zusammen mit den Flüchtlingen"


Redaktion Brüssel

"Unsere Menschlichkeit stirbt zusammen mit den Flüchtlingen"

“Es geschieht nicht oft, dass sich die Staats- und Regierungschefs der EU außerhalb Brüssels treffen”, sagt unser Korrespondent James Franey. “Doch selbst auf der malerischen Insel Malta gibt es wenig, was sie freuen könnte. Die Gastgeber sind besorgt, dass im Frühjahr mehr Flüchtlinge und Migranten die Insel erreichen könnten. Hinzu kommt, dass Großbritannien die EU verlassen will und unklar ist, was die Präsidentschaft Donald Trumps noch bringen wird. Die Migrationspolitik des US-Präsidenten wird in Europa abgelehnt. Doch auch die EU will diesbezüglich härter vorgehen. Einem Vorschlag Maltas zufolge sollen Flüchtlinge nach Libyen zurückgeschickt werden.” Der Gedanke dabei ist vor allem, die Menschen daran zu hindern, sich auf die gefährliche Reise zu machen. Angesichts der Konflikte und der Instabilität in Nordafrika und Nahost wird das sehr schwierig werden.

Regina Catrambone ist Gründungsmitglied einer Hilfsorganisation, die sich für sichere und legale Routen der Menschen nach Europa einsetzt: “Das Mittelmeer war für mich immer ein Urlaubs- und Entspannungsort. Nun ist es zu einem Grab geworden, denn sehr viele Menschen sind vor Krieg und Verfolgung auf der Flucht und suchen ein besseres Leben. Nicht allein die Ertrinkenden sterben auf hoher See, wir sterben zusammen mit ihnen, wenn wir das zulassen. Unsere Menschlichkeit stirbt mit ihnen.”

Nach Angaben der Vereinten Nationen haben im vergangenen Jahr mehr als 1.700 Menschen auf Malta um Asyl angesucht. Die meisten von ihnen kamen aus Libyen, Syrien, Eritrea und Somalia.

Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, darunter Ahmed Bugri, warnen, dass die EU den Flüchtlingszustrom nicht stoppen kann: “Die Debatte darüber, dass die Menschen nach Libyen zurückgeschickt werden sollten, ist heuchlerisch. Die EU kann nicht einerseits Donald Trump dafür verurteilen, dass er eine Mauer zwischen den USA und Mexiko bauen will, und andererseits junge Menschen aus Afrika davon abhalten, in Europa um Asyl anzusuchen. Ich halte das für heuchlerisch und fehl am Platz.”

Malta ist das einzige EU-Land, das Menschen in den USA ansiedeln kann, beziehungsweise bis zu der jüngsten Anordnung aus Washington konnte. Nach UN-Angaben verließen im vergangenen Jahr 455 Migranten Malta in Richtung USA.

Hosam, ein Zimmermann aus Damaskus, aber will in seine Heimat zurückkehren. Seiner Meinung nach widersprechen die Einreisebeschränkungen für syrische Flüchtlinge amerikanischen Werten: “Amerika ist das Land der Freiheit. Trump hat mit seiner Anordnung alles kaputt gemacht. In unserem Land leben auch Christen, in den USA leben auch Muslime. Sollen wir nun ebenfalls die Amerikaner hinauswerfen? Das ist nicht Freiheit, das richtet sich gegen die Freiheitsprinzipien.”

Es wird viel mehr bedürfen als eines EU-Gipfeltreffens, um die Flüchtlingskrise in Europa zu lösen.

The Brief from Brussels: Brüssel kritisiert US-Einreisebeschränkungen

Redaktion Brüssel

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