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Snapchat - trotz Verlusten an die Börse

Die Foto-App Snapchat lockt täglich rund 160 Millionen Nutzer an – und fuhr im vergangenen Jahr bei 376,7 Millionen Euro Umsatz einen gewaltigen Verlust von knapp 480 Millionen Euro…

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Snapchat - trotz Verlusten an die Börse

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Die Foto-App Snapchat lockt täglich rund
160 Millionen Nutzer an – und fuhr im vergangenen Jahr bei 376,7 Millionen Euro Umsatz einen
gewaltigen Verlust von knapp 480 Millionen Euro ein.
Die Betreiberfirma Snap kündigte dennoch einen 2,8 Milliarden Euro schweren Börsengang an – und könnte an der Wall Street mit bis zu 23 Milliarden Euro bewertet werden. Das wäre der größte Börsengang seit dem IPO des chinesischen Onlineriesen Alibaba im September 2014.

Snapchat zeigte zum erstenmal Zahlen, mit Schwächen im Geschäft: So stockte das früher rasante Wachstum der Nutzerzahlen Ende vergangenen Jahres plötzlich. Snapchat hatte laut Börsenprospekt im Schlussquartal 2016 im Schnitt rund 158 Millionen User am Tag. Im Vergleich zum dritten Quartal kamen nur noch fünf Millionen Nutzer dazu. Im gesamten Jahr waren es rund 50 Millionen gewesen. Die USA sind der wichtigste Markt für Snap mit 68 Millionen täglichen Nutzern, Europa folgt mit 52 Millionen.

Der Jahresumsatz schnellte von 54,5 auf 376,7 Millionen Euro hoch, weil das Geschäft mit Werbeanzeigen in Fahrt kam. Die Verluste waren aber weiter deutlich höher. Snap verlor im vorigen Jahr 479,2 Millionen Euro, nach einem Fehlbetrag von knapp 347 Millionen Euro 2015.

Snapchat ist vor allem bei jungen Nutzern populär mit Fotos, die nach dem Ansehen von alleine verschwinden. Inzwischen wird die App auch stärker für Kommunikation genutzt und zu einer Plattform für Medieninhalte ausgebaut. Snap brachte zudem eine Kamera-Brille heraus, deren Vertrieb in diesem Jahr dem Börsenprospekt zufolge stark ausgebaut werden soll.

Die Unterlagen zeigen auch, dass die Mitgründer Evan Spiegel und Robert Murphy die starken Figuren bei Snap bleiben. Sie halten je knapp 22 Prozent der Anteile und 44,3 Prozent der Stimmrechte. Damit kann ohne sie keine Entscheidung getroffen werden.

GOOGLE

Google profitiert vom Snapchat-Wachstum als technischer Dienstleister. Snap bezieht von dem Internet-Riesen die Cloud-Dienste und schloss gerade einen Fünfjahresvertrag ab, für den insgesamt 1,9
Milliarden Euro fließen sollen. Dazu kommt ein ungewöhnlicher Warnhinweis zum Börsengang: Jede Störung oder Unterbrechung des Zugangs zu Google könne schwerwiegende Folgen für das Geschäft haben. Snap sei Preiserhöhungen praktisch hilflos ausgeliefert, warnen Branchenbeobachter. Vor allem, wenn der Dienst über Gebühr erfolgreich werden sollte. Dann steigen mit den Nutzerzahlen auch die Kosten.

FACEBOOK

Der größte Unsicherheitsfaktor aber heißt Facebook, seit 2012 börsennotiert. Mark Zuckerberg wollte Snapchat für 2,8 Milliarden Euro kaufen und wurde abgewiesen. Seither baut er seine Fotoplattform Instagram mit bereits 600 Millionen monatlichen Nutzern unablässig zur Snapchat-Konkurrenz aus.

Die Erfolgsfunktion „Snapchat Stories“ hat er bereits kopiert. Der Snap-Konzern müsste die Kundenbasis – ebenfalls junge, smartphone-affine Nutzer – von Facebooks Tochter abwerben, um wieder wachsen zu können.

su mit dpa, Reuters